Donnerstag, 1. Dezember 2016

Martin Kay : Ära der Helden



Martin Kay : Ära der Helden
Die Beschützer 01
Atlantis 2016
Originalausgabe
Hardcover, ca. 240 Seiten, 14,90 €
auch als Paperback und eBook erhältlich
Titelbild: Allan J. Stark


Deutschland braucht Superhelden!

Zumindest, wenn es nach der Ansicht Konrad Berghoffs geht. Der Inhaber zweier Biotech-Firmen erforscht seit Jahren die Möglichkeiten übernatürlicher Fähigkeiten beim Menschen. Als die selbst ernannte Rächerin Sin Claire über die Dächer Frankfurts fliegt und Raubüberfälle ebenso vereitelt, wie sie Menschen in Not rettet, wittert der Industrielle eine echte Chance, seinen Traum eines Superheldenteams umzusetzen. Er beauftragt den Ermittler Kevin Burscheid, Sin Claire und weitere Begabte für seine Sache zu gewinnen. Doch die vermeintlichen Helden fügen sich nur widerwillig in ihre Rollen. Erst als ein Schurke mit unglaublichen Kräften Frankfurt unsicher macht und Menschenleben in Gefahr sind, kommt es zum Team-up.

Die Beschützer sind da!
Klappentext

Dieser Einstieg in die neue Superhelden-Serie gefiel mir ausnehmend gut. Und beim Schreiben dieser Zeilen hatte ich echte Schwierigkeiten, die einzelnen Punkte, an denen ich das für mich festmachte, zu identifizieren. Denn der Plot ist Standard, die Schreibe von Martin Kay zwar ausnehmend gelungen, aber das kann's nicht sein. Vielleicht die Analogie zu den Wild Cards, die Thomas Harbach beschreibt ? Nee, ich glaube, das war es auch nicht.

Aber ein anderer Punkt, den Thomas Harbach als eher kritisch sieht, hat mir ausnehmend gut gefallen : Der Schauplatz. "Es ist eben ein Unterschied, ob die Heldin von den imposanten Hochhäusern in New York abfliegt oder Spiderman sich zwischen den endlosen Schluchten der Wolkenkratzer entlang schwingt als wenn das Parkplatz eines REWEs der Ausgangspunkt der Vigilanten ist." Ja, eben, und genau dieses Lokalkolorit hat für mich den Roman als auch die Personen viel authentischer wirken lassen. Sin Claire, Vigilantin, Mutter und Floristin, kam viel besser rüber als die Reporter/Superhelden aus den Staaten. Ebenso empfand ich die Probleme, die die Superheldentruppe mit ihren Kräften und ihren Aktionen hat, ansprechender als die amerikanischen Varianten.

Und das Wichtigste ist meiner Meinung nach die unprätentiöse und nicht-propagandistische Haltung des Autors. In diesen Monaten fühlen sich ja diverse Autoren genötigt, moralisch einwandfreie PC-Statements in ihre Werke zu integrieren. [Dazu komme ich noch beim Kommentar zum aktuellen EXODUS.] Martin Kay macht das nicht, sondern beschreibt die deutsche Gesellschaft des Jahres 2016 wie sie eben ist. Und da kommen natürlich auch ausländische Mitbürger vor, ganz selbstverständlich wird dies dargestellt, ohne Überhöhung, ohne mit dem literarischen Roten Pfeil explizit noch einmal draufzuzeigen. Und diese Selbstverständlichkeit ist ein besserer, angenehmerer und unterstützenswerterer Antirassismus als diverse Lippenbekenntnisse, die jetzt teilweise in die Romane hineingeschrieben werden. Diesen Aspekt der Superhelden-Geschichte fand ich ganz besonders gelungen, das hat mich echt beeindruckt.

Das heisst jetzt nun nicht, daß die Superhelden hier mehr als bunte Unterhaltung sind, aber für meinen Geschmack sehr gut gemachte Unterhaltung. Und nach Teufelsgold und (wahrscheinlich) Omni ist "Ära der Helden" für mich der dritte Roman, den ich mir für meine DSFP-Nominierungen gemerkt habe.

Mittwoch, 30. November 2016

Matthias Falke : Der Terraformer



Matthias Falke : Der Terraformer
Atlantis 2015
Originalausgabe
Hardcover, ca. 300 Seiten, 14,90 €
auch als Paperback und eBook erhältlich.
Titelbild : Timo Kümmel


Der Terraformer Anders McCoy lebt in einer Station auf einem menschenleeren Planeten, um dessen Umwandlung in eine bewohnbare Welt zu betreiben. Er glaubt, allein auf dem Planeten zu sein, der in den Sternenkarten als leblos und unbesiedelt gekennzeichnet ist.

Eines Tages taucht jedoch ein Mann auf, der sich wortkarg vorstellt und angibt, er sei hier abgesetzt worden. Er bietet McCoy seine Dienste an und erlangt sein Vertrauen.
Mit der Zeit kommt seine unfassbare Geschichte heraus.

Doch während McCoy noch überlegt, ob er den Erzählungen des Fremden glauben soll, werden sie beide von dessen düsterer Vergangenheit eingeholt. Mit dem Frieden und der Einsamkeit ist es endgültig vorbei. Und es beginnt ein atemberaubendes Abenteuer, das sich der Terraformer in seinen kühnsten Träumen nie hätte vorstellen können …
Klappentext

Den Roman hatte ich damals schon im Erscheinungsjahr gelesen, ich dachte aber, vor der Lektüre von "Terraformer 2" sollte ich mir den nochmal ins Gedächtnis rufen.

Aber auch mein zweiter Eindruck ist nur sehr eingeschränkt positiv. Das Nonplusultra dieses Romans ist zweifelsohne die Analogie zur Kultur von Iain M. Banks, die Anders McCoy darstellt. Das ist nicht nur gut gelungen, sondern auch genial erzählt und mit vielen witzigen Gags, Gimmicks und Gadgets angereichert.

Dagegen ist der Rest, insbesondere das Erzwelten-System, seine Bewohner und seine Sitten sehr suboptimal dargestellt, so als hätte Matthias Falke da nicht den richtigen Zugang zu gefunden. Es gibt viele Inkonsistenzen und meiner Meinung nach auch nicht vollständig zuende gedachten Traditionen der Erzweltler. Auch die "Barbaren auf Raumschiffen"-Szenarios sind für meinen Geschmack nicht schlüssig. Was ganz sicher daran liegt, daß ich hier im Hinterkopf Vergleiche zur Asimovschen Foundation-Trilogie ziehe, zu Andrew J. Offutts "My Lord Barbarian" und – last but not least – zu Robert A. Heinleins "Citizen of the Galaxy". Insbesondere die Erinnerung an den Heinlein-Roman, der vielleicht weniger etwas mit "Barbaren im Weltraum", sondern mehr mit "Konzeption, Entwicklung und Interaktion mit Traditionen eines nicht mehr an die Erde gebundenen Volkes" zu tun hat, juckte mich die ganze Zeit während der Lektüre des "Terraformer". Falke gelingt es im Gegensatz zu Heinlein nämlich nicht, die Andersartigkeit der Erzweltler wirklich rüberzubringen, auch die moralische Überlegenheit der Falkeschen Kultur wird nur in Ansätzen deutlich. Das war schon blöd, das hätte ich gerne besser ausgeführt gelesen.

Aber nach dem "Terraformer" ist vor dem "Terraformer", nächste Woche nehme ich mir mal Band 2 vor. Mal sehen, ob ich den besser finden werde...

Dienstag, 29. November 2016

Stefan Burban : Teuflisches Vermächtnis



Stefan Burban : Teuflisches Vermächtnis
Drizil 03
Atlantis 2016
Originalausgabe
Hardcover, ca. 344 Seiten, 14,90 €
auch als Paperback und eBook erhältlich.
Titelbild : Allan J. Stark


Der Kaiser der Terranisch-Imperialen Liga ist noch am Leben.

Diese Nachricht schlägt ein wie eine Bombe unter der kleinen Gruppe Freiheitskämpfer um den imperialen Legionsgeneral Carlo Rix.

Für Carlo Rix steht außer Frage, was zu tun ist. Der Kaiser muss befreit werden. Eine Mission ins vom Feind besetzte Solsystem scheint der einzige Weg. Zu diesem Zweck sucht Carlo Rix an ungewöhnlichen Orten nach neuen Verbündeten.

Doch kann Carlo Rix all seinen Verbündeten vertrauen? Oder kochen einige von ihnen vielleicht ihr eigenes Süppchen? Und warum ist den Drizil gerade der Mars so ungemein wichtig?

Am Zielort angekommen, findet der Legionsgeneral mehr als er eigentlich erwartet hatte. Denn das Solsystem birgt düstere Geheimnisse, die die Menschen auf eine harte Probe stellen …
Klappentext

Die Drizil-Geschichte geht weiter, diesmal mit Vorbereitung und Durchführung eines Kommandounternehmens im Sol-System. Von der Story her ganz nett, wenn auch nicht wirklich innovativ. Allerdings kommen hier plötzlich Animositäten und Geheimnisse zur Sprache, an die ich mich aus den Vorgängerbänden so nicht erinnern kann. Das war am Anfang irritierend.

Wirklich nervend waren aber dann diverse detailverliebte Kampfbeschreibungen. [satirische Überspitzung] Wenn haarklein erzählt wird, daß der Jägertyp "Kleine Butterblume" bei einer Kurve von 48,69375° aufgrund herstellungsbedingter Unregelmäßigkeiten im Werk "Große Wiese" seine Angriffssensoren verlieren könnte, frage ich mich, was mir der Autor damit sagen will. [/satirische Überspitzung]

Ebenso nervend war die an Warhammer 40.000 erinnernde Gleichgültigkeit gegenüber Menschen- und Drizil-Leben, die bei den Gefechtsschilderungen zutage traten. Würden militärische Führer tatsächlich so handeln, dürften sie im RL in Kürze alleine dem Feind gegenüberstehen. Ganz davon abgesehen, daß die geschilderten Raum- und Bodengefechte absurd sind, ich bin da von Jack Campbell und David Weber Besseres gewohnt. Das ist natürlich einerseits Meckern auf hohem Niveau, andererseits geben die beiden den Standard für MilSF vor. Und diverse andere Autoren (John Ringo, Tanya Huff, Peter F. Hamilton etc. etc.) schreiben auch durchaus in dieser Größenklasse.

Da rettet dann auch das eigentliche Kommandounternehmen nichts, das zwar spannend geschrieben ist, doch absurd dargestellt, dilettantisch geplottet und kindisch aufgelöst wurde. Hier stimmte nichts, weder Plot (ich empfehle hier "Das dreckige Dutzend" einmal zu analysieren, immer noch der Klassiker für Kommandounternehmen), noch Charaktere (ein Verräter, der zum Verräter wurde, nur weil 5 Jahre vor dem Krieg das Imperium eine Blockadeflotte der Drizil in die Luft geblasen hat : Was soll das denn ???) noch die Auflösung (Alles zurück auf Null). Von den nicht vorhandenen politischen Aspekten einmal ganz zu schweigen.

Insgesamt leider ein klarer Daumen nach unten, keine Ahnung, warum Stefan Burban es bei dieser Serie nicht schafft, seine anderen lese ich mit Vergnügen. Aber die Drizil sind irgendwie ein Stiefkind...

Montag, 28. November 2016

Tanja Bern : Nah bei mir



Tanja Bern : Nah bei mir
Arunya-Verlag "Edition Romantica" 2016
Originalausgabe
Hardcover, 318 Seiten, 18,90 €
Titelbild und Innenillustrationen : Shikomo
ISBN 978-3-95810-005-3
auch als eBook erhältlich (4,99 €)


Seit ihrer Kindheit träumt Katelyn von einem Mann, der in den Ruinen eines Hauses auf sie zu warten scheint. Als sie bei ihrer Großmutter ein 250 Jahre altes Medaillon mit dem Porträt dieses Mannes findet, kann sie kaum fassen, dass sie ihn plötzlich vor sich sieht. Ihre Großmutter erzählt ihr, dass auf dem Bild der Adlige John McKay abgebildet ist, und vertraut Katelyn seine Geschichte an, die in handgeschriebener Form seit Generationen in Familienbesitz ist. Katelyn taucht tief in seine Erinnerungen ein …

Als John bei einem Ausritt dem Fahrenden Jake O’Malley begegnet, wandelt sich unerwartet sein Leben. Der junge Mann rührt etwas in seiner Seele, dem sich John nicht entziehen kann. In aller Heimlichkeit nähern sie sich einander an und zwischen ihnen entwickelt sich eine tiefe Liebe. Die McKays ahnen zunächst nichts, doch die Beziehung der beiden ist eine Gratwanderung, die alles verändert.
Klappentext

Boah, eyh !
Also wenn man Anja Bagus Aether-Romane mit Lore-Romanen vergleicht, dann ist Tanja Berns "Nah bei mir" Sissi pur. Hochkondensiert und von allen nicht-Kitsch-Verunreinigungen befreit, so daß der unvorbereitete Leser von dem Mysteryliebesherzschmerz gnadenlos untergebuttert wird und schluchzend in seinem Sofa versinkt.

Denn die Geschichte ist gut erzählt, Tanja Bern schafft es, selbst die Nicht-Zielgruppe (die ich zweifelsohne repräsentiere) bei der Stange zu halten. Der Roman ist gut durchgeplant, keinerlei Längen erkennbar, keine stilistischen Ausrutscher (jedenfalls keine, die mir aufgefallen sind) und eine sehr flüssige, dynamische Schreibe. Das macht den Roman für Leute, die die Story mögen, zu einem Pageturner.

Die Story an sich ist eine Historic Gay Romance, angesiedelt im 18. Jahrhundert. Meines Wissens (und ich interessiere mich nicht wirklich für dieses Thema) sehr simplifiziert und romantisiert beschrieben, aber hey, seit wann hat das schon mal eine gelungene Historiennovelle gestört? An keiner Stelle vulgär schafft es Tanja Bern, Nacktszenen, inzestuöse Träume undsoweiter undsofort in die Geschichte zu integrieren und es in eine Hetero-Beziehung in der Moderne enden zu lassen. Ja, genau, der Mystery-Faktor - Seelenwanderung, Vorahnungen - ist gar nicht so gering, die Geschichte hat einen gelungenen phantastischen Aspekt.

Insgesamt ein höchst empfehlenswerter Roman für diejenigen, die das Thema mögen. Von einer Autorin, die man im Auge behalten sollte. Aber ich brauch' jetzt erstmal 'nen ganz simplen SF-Action-Roman, um mich von dem Kitschüberfluss zu erholen... :-)

Freitag, 25. November 2016

TERRA EXTRA inside - Richard Koch : Gefahr für die Erde

In Heft 155 schliesst Richard Koch seine Artikelserie "Irdisches Werden" ab. Er erörtert die verschiedenen Katastrophen, die die Erde beeinträchtigen können, und kommt zu dem treffenden Schluß, daß nur eine Supernova wirklich gefährlich sei. Ich sag' da nix zu, sonst kriege ich wieder von diversen ideologischen Seiten Haue...

TERRA EXTRA inside - Richard Koch : Klimagedanken

In Heft 154 vom 04.08.1967 beschäftigt sich Richard Koch mit dem Klima. In Anbetracht der heutigen Klimahysterie eine angenehm faktische Darstellung :

Donnerstag, 24. November 2016

TERRA EXTRA inside - Richard Koch : Die Atmosphäre der Erde

Auf der LKS von Heft 153 referiert Richard Koch über die verschiedenen atmosphärischen Bedingungen auf Erde, Mars und Venus :

TERRA EXTRA inside - Richard Koch : Der Urkontinent

In Heft 152 vom 21.07.1967 beschäftigt sich Richard Koch mit der Gravitation und dem Auseinanderbrechen des Urkontinents. Ich finde das irgendwie sehr obskur :

Things to come

Ächz.
Nach fast drei Heftserien (TERRA SF, TERRA Sonderband und TERRA EXTRA) merke ich so ein bißchen, wie die Luft bei mir raus ist. Nicht, daß ich damit aufhören will, momentan diskutiere ich mit mir, ob ich "zurück" nach UTOPIA SF gehe oder weiter nach vorne mit TERRA NOVA / TERRA ASTRA. Any comments ?
Doch im Moment brauche ich mal was anderes und muß auch mal was anderes hier im Blog kommentieren. Das neue phatastisch! ist raus, von ORION habe ich schon einiges Neues gelesen, Burban, Kay, Boom, D9E usw. usf. liegen noch in meinem RUB, da juckt es mich momentan mehr. Also werde ich heute und morgen noch die fehlenden TERRA EXTRA inside nachtragen und mich dann erst einmal auf die Moderne fokussieren.
In diesem Kontext : Ich muß bei Gelegenheit nochmal einen Blogeintrag zu negativen Rezensionen und Rezensionsexemplaren schreiben.

Mittwoch, 23. November 2016

Peter Lancester : Die eiserne Hand



Peter Lancester : Die eiserne Hand
Die Chroniken der Anderwelten 04
Eldur-Verlag 2016
Paperback, 500 Seiten, 11,95 €
Titelbild : Peter Lancester
ISBN 3-937419-08-X


Evas Leben hat sich normalisiert; sie studiert Kunst, spielt in einer Rockband und hat einen Freund. Dieses Leben endet schlagartig, als sie am hellichten Tag von der Straße entführt wird und in die Fänge eines offenbar wahnsinnigen Sadisten gerät. In ihrem Gefängnis trifft sie auf die Dämonin Mona, die ebenfalls hier festgehalten wird.

Von der Polizei ist keine Hilfe zu erwarten, daher starten Otto, Ander, Lesly und Silvana eine Rettungsaktion. Wieder zu Hause, ist Eva körperlich und seelisch ein Wrack. Es gibt nur eins, das sie am Leben erhält: Der brennende Wunsch nach Rache. Doch das Schicksal hält noch einige Überraschungen für sie bereit - im Guten wie im Schlechten.
Klappentext

Zehn Jahre sind seit dem Erscheinen des letzten Bands der "Chronik der Anderwelten" vergangen. Das Leben von Peter Lancester war seitdem mit diversen persönlichen Krisen gepflastert. Wenn man ihn, so wie ich, auf Facebook kennt, dann weiss man, daß diese Krisen tiefgreifend waren und ihn schwer getroffen haben. Und – wie man aktuellen Postings entnehmen kann – sie sind noch nicht vorbei.

Diese Lebenskrisen schlagen sich auch in diesem Roman nieder. Deutlich bitterer und zynischer als die ersten drei Bände, von dem doch eher optimistischem Peter D. der Jahrtausendwende ist nicht mehr viel über. Das stellt sich hier, im 4. Band der "Chronik der Anderwelten", deutlich an der Charakterentwicklung dar. Der Roman ist insgesamt wesentlich blutiger und grausamer gegenüber seinen Protagonisten als seine Vorgänger.

Lancester führt hier die Geschichte von Mona, dem Flugteufel, aus Teil 3 mit der von Eva von Grauenfels aus Teil 1 & 2 zusammen. Sie werden von einem wahnsinnigem Österreicher gejagt, der Zugang zu den Anderwelten will, um dort den Brunnen der Unsterblichkeit zu finden. Lancester beschreibt den als Freak im Rollstuhl, für meinen persönlichen Geschmack ist er etwas zu sehr an die größenwahnsinnigen Gegenspieler von James Bond angelehnt. Ich vermisse auch so ein bißchen den positiven Grundton, der bei aller Kritik doch die ersten drei Bände ausgezeichnet hat.

Aber das ist mein persönlicher Geschmack, denn insgesamt gesehen liest sich der Roman genauso gut wie die ersten drei Bände. Lancester wird auch wieder innovativer, einige Gadgets und Gimmicks sind faszinierend. Stilistisch ist bis auf den eher depressiven Unterton alles beim alten, der Roman liest sich flüssig an der Grenze zum Pageturner. Ich bin mal gespannt, wie der nächste Band wird, hoffentlich vergehen nicht wieder 10 Jahre bis zur Veröffentlichung.

Dienstag, 22. November 2016

Peter Lancester : Dämonentränen



Peter Lancester : Dämonentränen
Die Chroniken der Anderwelten 03
Eldur-Verlag 2006
Paperback, 388 Seiten, 9,95 €
Titelbild : Peter Lancester
ISBN 3-937419-05-5


Das rothaarige Mädchen von Zimmer 437, das alle nur Mona nennen, ist stumm und hochgradig gefährlich. Die offizielle Diagnose lautet "Schwachsinn". Doch warum ist sie in den letzten zwanzig Jahren keinen Tag älter geworden? Ein skrupelloser Wissenschaftler ist überzeugt davon, daß ihr Blut das Geheimnis zur Heilung aller Krankheiten und des ewigen Lebens enthält. Er kauft Mona der Psychiatrie ab, um sie zu seinem Versuchskaninchen zu machen.

Frank, ein religiöser Pfleger, der sie für einen gefallenen Engel hält, bringt ihr das Sprechen bei und verliebt sich in sie. Unterdessen beginnt Mona sich allmählich daran zu erinnern, wer sie wirklich ist und woher sie kommt.

Eines Tages verhilft Frank ihr zur Flucht aus dem Labor. Doch der Traum vom gemeinsamen Leben in Freiheit endet in einer blutigen Tragödie.
Klappentext

Nachdem die Expedition derer von Grauenfels im zweiten Band ein eher suboptimales Ende genommen hat, wendet sich Peter Lancester im dritten Band seiner Saga jemand ganz anderem zu : Einem aus der Anderwelt auf unsere Erde geflohenen Flugteufel. Er beschreibt ihre Entwicklung auf der Erde von einem Monster zu einem Menschen – und spart auch nicht mit Splatter-Szenen.

Ich bin hier etwas zwiegespalten. Einerseits ist die Geschichte gut erzählt, Peter Lancester behält den Drive der ersten beiden Bände bei. Stärker noch als bei den ersten beiden Geschichten sind seine Charaktere plastisch und stehen mir als Leser deutlich vor Augen. Aber ich kann so gar nichts mit Monas grenzenloser Naivität am Anfang und ebenso grenzenloser Depression am Ende anfangen. Das könnte allerdings daran liegen, daß ich selbst als Leser relativ einfach gestrickt bin und – im Gegensatz zu Peter Lancester – mit solchen Charaktern im RL wenig bis gar keinen Kontakt habe.

Stärker noch als im vorigen Band sind hier die Ausschläge in Richtung Horror und Splatter. Dabei ist überaus positiv anzumerken, daß Lancester hier an keiner Stelle primitiv oder vulgär wird, Horror als auch Splatter haben ziemliches Niveau. Und auch wenn ich persönlich diese Subgenres nicht wirklich goutieren kann, haben mich diese Genre-Ausflüge weder gestört noch empfand ich sie als unpassend oder aufgesetzt. Man merkt, daß der Roman, ja die ganze Serie, gut durchgeplant ist.

Insgesamt ein gelungener dritter Teil, der insbesondere Fans der etwas dunkleren Spielart der Phantastik viel Spaß machen dürfte.

Montag, 21. November 2016

Peter Lancester : Unterm Doppelmond



Peter Lancester : Unterm Doppelmond
Die Chroniken der Anderwelten 02
Eldur-Verlag 2005
Paperback, 372 Seiten, 9,95 €
Titelbild : Peter Lancester
ISBN 3-937419-04-7


Kaum sind Eva, Friedrich, Otto und Ander in der Höhlenstadt von Unterhessen angekommen, wird Friedrich wegen einer unbedachten Äußerung verhaftet. Eva und Otto sind zum Bleiben verdammt.

Eva tritt in die Garde ein – die einzige Chance, sich und Otto über Wasser zu halten. Die brutale Ausbildung und gemeine Intrigen bringen sie mehr als einmal in Lebensgefahr, doch sie läßt sich nicht unterkriegen.

Die Lage spitzt sich zu, als Friedrich plötzlich wegen Hochverrats hingerichtet werden soll. Ander scheint die letzte Hoffnung zu sein, doch Eva hat inzwischen allen Grund, ihm zu mißtrauen.

Am Ende einer irrwitzigen Befreiungsaktion steht die kopflose Flucht in die Anderwelt. Zwar war diese auch das ursprüngliche Ziel der Expedition, doch schon bald stellt sich heraus, daß die Beteiligten die Gefahren unterschätzt haben. Und es gibt keinen Rückweg ...
Klappentext

Nach einem spannendem und innovativem ersten Teil gerät der zweite Band der Anderwelt-Chroniken deutlich konservativer. Die Geschichte bleibt in einem klassischem Fantasy-Fahrwasser, die Exotik und Innovation des ersten Teils bleibt so ein bißchen auf der Strecke. Am deutlichsten wird dies bei Evas Eintritt in die Garde Unterhessens, ein Romanabschnitt, in dem Peter Lancester mit Genuß typische "Join the Army"-Klischees zelebriert.

"Mit Genuß" ist dann sozusagen ein Stichwort, denn trotz des konventionelleren Plots ist auch der zweite Band gut erzählt, es macht Spaß, ihn zu lesen. Um so mehr, als die Charaktere immer mehr Tiefe gewinnen und am Ende des Romans dem geneigtem Leser plastisch vor Augen stehen. Auch Unterhessen selbst wird immer deutlicher, am Ende hatte ich ein fiktives Land vor Augen, in das ich gerne zurückkehren würde.

Interessant die Ausflüge von Peter Lancester in der Horror-/Splatter-Bereich. Wohldosiert und selten gelingt es ihm, dem Leser eine Gänsehaut den Rücken herunterlaufen zu lassen. Und technisch interessant ist, daß diese Horror-Höhepunkte auch die kreativsten Stellen des Romans sind. Das lässt einiges für den nächsten Band des Zyklus erwarten.

Insgesamt also eine vielleicht konventionellere, aber angenehm zu lesende Fortsetzung des ersten Teils mit deutlichen Spitzen nach oben. Insgesamt ist das Niveau auch besser als im ersten Teil, Lancester hat sich sozusagen warm geschrieben. Stilistisch fand ich die ersten beiden Bände, die bis zu einem gewissem Grad eine Einheit bilden, sehr angenehm, Peter Lancester hat mit seinem Story-Telling hier einen starken Zauber gewoben, der den Leser bei der Stange hält. Wie man auf eBay sagt : "Gerne wieder". :-)

Samstag, 19. November 2016

Robert Ervin Howard : Conan - Die Original-Erzählungen



Robert Ervin Howard : Conan - Die Original-Erzählungen
Festa-Verlag 2015
Hardcover, je 400 Seiten, je 24,- €
Aus dem Amerikanischen von Lore Straßl
Übersetzungen der Sekundärtexte von Jürgen Langowski und Erik Simon
Titelbilder : Arndt Drechsler
Innenillustrationen : Mark Schultz, Gary Gianni und Greg Manchess


Hither came Conan, the Cimmerian, black-haired, sullen-eyed, sword in hand, a thief, a reaver, a slayer, with gigantic melancholies and gigantic mirth, to tread the jeweled thrones of the Earth under his sandalled feet.
The Phoenix on the Sword

Wie Carsten Kuhr so treffend sagte, wäre eine Inhaltsangabe der einzelnen Geschichten mehr als überflüssig. Conan ist eine der Archetypen der Fantasy, in den verschiedensten Medien seit fast einem Jahrhundert veröffentlicht. Und da stellt sich dann tatsächlich die Frage, die Carsten Kuhr so präzise formuliert hat : "Braucht es da wirklich noch einmal eine neue Conan-Ausgabe ?"


Heyne-Erstauflage

Nun, ebenso wie Carsten Kuhr werde ich die Frage mit "ja" beantworten, allerdings aus einem etwas anderem Fokus heraus als er. Sehen wir uns dazu die bisherigen deutschen Ausgaben an. Howard schrieb seine Geschichten in den 30ern, nach seinem frühen Selbstmord blieben diverse Fragmente, Exposes und teilweise fertig geschriebene Geschichten zunächst unveröffentlicht. Seine Nachlassverwalter nahmen die in WEIRD TALES veröffentlichten Geschichten, schrieben die Fragmente zuende, glätteten einige Stellen und brachten alles in eine inhaltlich chronologische Ordnung. Diese Geschichten wurden dann bei Heyne in den 70ern erstmals in einer deutschen Ausgabe aufgelegt, korrekterweise wurden Robert E. Howard, L. S. de Camp und Lin Carter als Autoren genannt, letztere hatten die Geschichten zuende geschrieben und bearbeitet. Nach dem Erfolg von "Conan the Barbarian" von John Milius mit Arnold Schwarzenegger wurden die Bücher in erweiterten Fassungen in einer einheitlich beigen Form mit Filmbildern auf den Covern neu bei Heyne aufgelegt. Jetzt waren auch Sekundärtexte und Briefe enthalten. In der Zwischenzeit hatten sich auch andere Autoren an der Figur des "Conan" versucht, so daß diese Ausgabe ein Mix der verschiedensten Stile darstellt. Ich persönlich sehe diese Ausgabe als unbedingt empfehlenswert, jeder Fantasy-Autor sollte sie in seinem Regal stehen haben.


Heyne-Neuauflage "beige Ausgabe"

Warum ? Nun, weil sich dort sehr schön literarische und stilistische Unterschiede festmachen lassen. Howard, geboren Anfang des 20. Jahrhunderts, hatte in seinem Dorf in Texas noch die letzten Ausläufer des Wilden Westens mitbekommen. Und er unterhielt sich mit den echten tough guys, Ölbohrern, Firefighter, Cowboys undsoweiter undsofort. Auch Howard selber war ein Freak, er hat sich schon mal mit seinem Schriftstellerkumpel C. A. Smith hinterm Haus einen Schwertkampf geliefert. Robert Ervin Howard war also von seinem Umfeld und seiner Erziehung etwas ganz anderes als beispielsweise der zivilisierte New Yorker Lyon Sprague de Camp. Und dieser Unterschied macht sich auch massivst in den Conan-Geschichten bemerkbar, das fiel selbst meinem unbedarften, viel jüngerem Ich auf. Howards Conan ist barbarisch, ursprünglich, wenig bis überhaupt nicht von der Zivilisation beleckt. Dahingegen ist der Conan, den de Camp und Carter beschreiben, ein zwar einfacher, aber durchaus zivilisierter Barbar, wesentlich weniger primitiv und ursprünglich als der von Howard konzipierte. Und gerade wegen dieser ganz unterschiedlichen Behandlungen der Figur des Conan durch verschiedene Schriftsteller ist und bleibt die beige Heyne-Reihe für den einfachen Fantasy-Fan das Nonplusultra.

FESTA-Ausgabe Schutzumschlag

Weshalb also dann die Festa-Ausgabe, auch noch als Hardcover für mein Bücherregal? Nun, das hatte mehrere Gründe. Meine Erwartungen nach dem Lesen des Inhaltsverzeichnisses wurden übrigens auch bis auf eine voll erfüllt. Fangen wir mit der einfachsten an, der Ausstattung und der Haptik. Sehr schöne Hardcover mit Lesebändchen, einheitliches Aussehen, gelungene Schutzumschläge, die die Bücher vom Mainstream abheben, für mich als Semi-Bibliophilen waren das schon Argumente. (Das semi-bibliophil erkläre ich, wenn ich mich mit der "Edition Andreas Irle" auseinandersetze.) Sie sahen auf der Festa-Homepage (alle Bilder sind von dort entnommen) gut aus und haben mich auch als ich sie dann in der Hand hatte voll überzeugt. Aber so etwas war ich von Festa ja bereits gewohnt, die Horror-Editionen von REH und CAS stehen bei mir ebenfalls im Regal.

FESTA-Ausgabe Hardcover

Anyway, man soll ein Buch ja nicht nur nach seinem Cover beurteilen. Also weiter zum Inhalt. Festa wirbt mit "Robert E. Howard – Die Originale". Und genau das bekommt man auch serviert. In der Übersetzung von (u.a.) Lore Straßl legt Frank Festa hier die Originaltexte Howards vor, unbearbeitet von Carter und de Camp und – vorzugsweise – auch von den zeitgenössischen Herausgebern. Jede Geschichte ist entweder genau so, wie Howard es sich gedacht hatte, oder so, wie sie zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Auch wurden die Geschichten nicht in chronologischer, sondern in bibliographischer Reihenfolge gedruckt, also in der Reihenfolge, in der Howard sie auch geschrieben bzw. veröffentlicht hat. Das ist schon ein anderes Lesen als das simple Konsumieren der beigen HEYNE-Reihe. Auch sind die Bücher nur etwa zu 2/3 mit den Stories gefüllt, den Rest nehmen liebevoll editierte Fragmente und sekundärliterarische Kommentare ein. Oder – und das ist wirklich ein Genuß – frühere Versionen der einzelnen Geschichten, Exposés in den verschiedensten Stadien, leider zuwenig Briefe. Insgesamt also eine Fülle primärliterarischen Materials, an dem sich Forscher austoben und Leser schwelgen können. Diese Sachen waren meines Wissens bisher nicht auf Deutsch (man bedenke einmal die Arbeit der Übersetzerin) erhältlich.

FESTA-Ausgabe : Ein Blick ins Innere

Für mich als Leser war es faszinierend, aber ich bin ja auch Nur-Leser. Für einen Fantasy-Autor stellt sich die Sache noch etwas gewinnbringender dar. In der beigen Heyne-Reihe kann er den bearbeiteten Howard und die verschiedensten Stile anderer (zivilisierterer) Autoren miteinander vergleichen. Die Festa-Ausgabe bietet diesem heutigen Fantasy-Autor zusätzlich die Möglichkeit zum stilistischen und organisatorischem Quellenstudium, indem sie nicht nur die Originale Howards, sondern auch die Textschnippsel auf dem Weg dorthin abdruckt. Und wenn mir als reinem Leser die Festa-Ausgabe diesbezüglich schon Spaß gemacht hat, wie geht es da erst dem mit Fachwissen "bewaffnetem" Autor ?

Einziger Wermutstropfen dieser Ausgabe ist das (amerikanische) Vor- bzw. Nachwort. Diese Conan-Ausgabe ist nämlich die deutsche Übersetzung der Neuausgabe von 2003, inklusive der unreflektierten Lobhudeleien der Herausgeber. Das muss so nicht sein – ist aber andererseits auch schön von Festa, auch diesen Quark abzudrucken. Apropos : Statt sich wie die letzte Ich-presse-auch-noch-den-letzten-Blutstropfen-aus-meinen-Lizenzen-Ausgabe von Heyne auf übergroße, überteuerte und unhandliche Ziegelsteine zu konzentrieren, hat Frank Festa die Bücher geteilt und sechs normale statt drei sehr dicke Hardcover herausgebracht. Auch wenn ich kein Fan dieser "Ich teil' das mal auf zwei Ausgaben auf, bringt mehr Geld"-Politik deutscher Verlage bin, fand ich das Format eigentlich ok. Scheint hier eher 'ne Geschmackssache zu sein.

In jedem Fall sind die Conan-Bände aus dem FESTA-Verlag ihr Geld wert. Hat Spaß gemacht, die alten Geschichten zu lesen. Allerdings steigert sich Festa noch mit "Kull", aber davon demnächst.

Donnerstag, 17. November 2016

TERRA EXTRA 155 - Hans Kneifel : Das Serum des Gehorsams


Hans Kneifel : Das Serum des Gehorsams
Terra Extra 155, 11.08.1967
Neuauflage
Originalausgabe TERRA SF 195, 1961
Titelbild : Johnny Bruck


Sicher haben manche von Ihnen vor längerer Zeit auch gewisse Pressenachrichten gelesen, in denen von der möglichen Entwicklung eines Nervengases die Rede war — einer Substanz, die jeden, der sie einatmet, lähmt und willenlos macht.

Wenn Hans Kneifel, der Autor des vorliegenden TERRA-Bandes, nun einen Schritt weitergeht und von einem Gift erzählt, das nicht nur jeden Eigenwillen lähmt, sondern auch noch bewirkt, daß der mit diesem Gift infizierte Mensch zum loyalen Befehlsempfänger dessen wird, der ihn infiziert hat, so ist das eigentlich auch gar nicht so abwegig, wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag. DAS SERUM DES GEHORSAMS ist in dem gleichnamigen Roman jedenfalls zur grauenhaften Realität geworden.

DAS SERUM DES GEHORSAMS ist die einzige Waffe, über die der unbekannte Gegner verfügt — aber diese eine Waffe genügt, um ganze Sonnensysteme zu erobern, und die tapferen Männer, die sich im Dschungel des Amazonas am "Tor zwischen den Welten" versammelt haben, scheinen einen aussichtslosen Kampf zu kämpfen ...
Klappentext TERRA SF 195

Der unheimliche Gegner besitzt nur eine Waffe - es ist das Mittel zur Eroberung ganzer Sonnensysteme...
Teaser TERRA EXTRA

Habe ich vor drei Jahren in der Originalausgabe gelesen, ist nicht besser geworden seitdem. :-) Schon eine interessante Erfahrung für mich als eingeschworenen Kneifel-Fan, auch einmal seine schlechten Romane zu lesen. Muss man aber nicht, wirklich nicht. Platte Charaktere, simple (und teilweise absurde) Story, extrem voraussehbarer Handlungsablauf. Gibt wirklich Besseres von ihm.

Mittwoch, 16. November 2016

TERRA EXTRA 154 - Murray Leinster : Gesetz des Zufalls


Murray Leinster : Gesetz des Zufalls (The Laws of Chance)
Terra Extra 154, 04.08.1967
Neuauflage
Deutsche Erstausgabe UTOPIA SF 125, 1958
Originalausgabe STARTLING STORIES 1947
Aus dem Amerikanischen von ???
Titelbild : Johnny Bruck


Die Unbekannten haben sie zum Tode verurteilt - doch sie kämpfen erbittert für die neue Zivilisation...
Teaser

Keins von Leinsters Meisterleistungen. Im Wesentlichen geht es darum, daß durch ein neues Element Wahrscheinlichkeiten manipuliert werden. Das Ganze ist in einem dystopischen Amerika nach einem Atomkrieg angesiedelt und ziemlich abstrus dargestellt. Kleine Steine aus Atomkratern, die in einem Magnetfeld Wahrscheinlichkeiten definieren. Eher gruselig für den modernen Leser. Die Geschichte ist ja auch von 1947, da darf dann die obligate Love Story ebenfalls nicht fehlen. Inklusive "ordentlicher" Heirat durch einen der letzten überlebenden Priester. Und auch wenn die Charaktere teilweise ganz innovativ angelegt sind, bleibt der Roman doch irgendwie platt. Nichts, was man unbedingt lesen muß, wer sich trotzdem nicht abhalten lassen will, sei auf die Originalausgabe bei unz.org verwiesen.

Dienstag, 15. November 2016

TERRA EXTRA 153 - Kurt Mahr : Havarie auf Antares


Kurt Mahr : Havarie auf Antares
Terra Extra 153, 28.07.1967
Neuauflage
Orignalausgabe TERRA SF 179, 1961
Titelbild : Johnny Bruck


Durch einen Maschinenschaden wird die "Frankour Castle", das neue Forschungsschiff der Erde, gezwungen, auf dem fünften Planeten der Riesensonne Antares zu landen.

Dieser Planet ist von Menschen bewohnt, die in der Technik den Erdenmenschen zwar unterlegen sind, die aber dafür andere Fähigkeiten besitzen, von denen die Terraner nichts ahnen.

So hat der Kommandant des Riesenraumers nur ein mitleidiges Lächeln dafür übrig, als er von dem Entschluß der eingeborenen Priester hört, sein Schiff als Sendboten des Bösen anzusehen und zu vernichten. Er glaubt zu wissen, daß die primitive Zivilisation der Eingeborenen keine Machtmittel besitzt, die Schiff und Besatzung auch nur im Entferntesten gefährlich werden könnten.

Doch der Tag kommt, an dem er eines anderen belehrt wird — und das, was nur als HAVARIE AUF ANTARES begann, wird für die Terraner zu einem erbitterten Kampf um Sein oder Nichtsein...
Klappentext LKS TERRA SF 179


Kein großer, aber ein angenehm lesbarer Roman, den ich gerne wiedergelesen habe, auch wenn die Lektüre der Originalausgabe noch nicht so lange zurückliegt. Aber wie ich damals bereits schrieb, ist er leichte Unterhaltungslektüre für Zwischendurch mit einigen Spitzen gegen das eher arrogante SF-Establishment. Nett eben.

Interessant ist hingegen, daß sich seit meiner damaligen Bemerkung über fehlende Klassiker-Neuauflagen einiges geändert hat. Neben Earl Dumarest auf Atlantis gibt es aktuell Herbert W. Franke auf p.machinery und Robert Ervin Howard auf Festa - um nur zwei Beispiele zu nennen. Zu ersterem habe ich etwas gesagt, zu den anderen beiden sage ich demnächst - sofern ich dafür Zeit finde - noch ein bißchen. Auf jeden Fall eine für den klassikinteressierten SF-Fan deutlich bessere Situation als noch vor zwei Jahren. Trotzdem fehlt noch so etwas wie eine "Kurt Mahr ohne Perry Rhodan"-Gesamtausgabe. Michael, kein Interesse ?

Montag, 14. November 2016

TERRA EXTRA 152 - Cyril Judd : Kinder des Mars


Cyril Judd : Kinder des Mars (Outpost Mars)
Terra Extra 152, 21.07.1967
Neuauflage
Deutsche Erstausgabe GALAXIS 03-06, 1958
Originalausgabe GALAXY, 1952
Aus dem Amerikanischen von Lothar Heinecke
Titelbild : Johnny Bruck


Obwohl sich herausgestellt hat, daß der Planet Mars nicht gerade ein Paradies darstellt, ist er kolonisiert worden: von mächtigen Industrie-Konglomeraten, die sich alle Mühe geben, die Bodenschätze unserer Nachbarwelt auszubeuten. In der Sun Lake-Kolonie jedoch haben andere Leute das Sagen: Idealisten, Aussteiger und solche, die mit dem Leben auf der überbevölkerten Erde unzufrieden waren, haben sich hier angesiedelt. Auf genossenschaftlicher Basis versucht man, sich an den Mars anzupassen. Doch Sun Lake ist den Multis ein Dorn im Auge: Hugo Brenner, ein wohlhabender Drogenhersteller, versucht das Projekt in den Ruin zu treiben, und dazu ist im keine Methode schmutzig genug...

Dr. Tony Hellman und seine Getreuen lassen sich jedoch nicht so leicht aus dem Feld schlagen. Mit vereinten Kräften nimmt Sun Lake den Kampf gegen Brenner auf. Und dann treffen erste beunruhigende Meldungen ein: Es hat den Anschein, als seien die Erdkolonisten nicht die einzigen Intelligenzen auf dem roten Planeten. Gibt es die vielzitierten marsianischen Ureinwohner tatsächlich?
Klappentext der Ullstein-Ausgabe

"Cyril Judd" ist das gemeinsame Pseudonym von Cyril M. Kornbluth und Judith Merril für die beiden Romane "Outpost Mars" und "Gunner Cade", beide zwar laut SFE routinierter Standard, m.E. aber beide bemerkenswerte Romane mit nicht-trivialem Background.

Dies sieht man schon sehr schön hier an dieser Geschichte. Ein Jahrzehnt vor "Dune" haben die Autoren ein ökologisches Szenario aufgebaut, das die Story nicht nur beherrscht, sondern wesentlich für den Ablauf als auch die Details ist. Nun ist die Ökologie eines Planeten nicht gerade ein seltenes Thema in der damaligen SF, daß dieses Feature aber hier wie bei Dune zentral für die Geschichte ist, stellt wiederum eine Ausnahme dar.

Weiter waren die meisten Romane der damaligen Zeit eher optimistisch, nur wenige kritisierten den American Way of Life in der raubtierkapitalistischen Ausprägung, wie sie damals durchaus vorherrschte. Zwar wurden negative Einflüsse von Konzernen und übergroßen Multimilliardären durchaus dargestellt, aber mehr als Auswüchse, weniger als Symptome des Systems. Kornbluth und Merril gehen hier etwas weiter und stellen die multiplanetaren Konzerne an sich als negativ dar. Allerdings nur, weil aufgrund ihrer Struktur die falschen Leute in Machtpositionen gelangen, die beiden Autoren gingen nicht so weit, das System an sich in Frage zu stellen.

Von daher ein gelungener, wenig gealterter Roman, den man auch heute noch mit Genuß lesen kann. Und, im Hinblick auf die aktuellen politischen Entwicklungen im RL, auch lesen sollte.

Samstag, 12. November 2016

Peter Lancester : Das blaue Portal



Peter Lancester : Das blaue Portal
Die Chroniken der Anderwelten 01
Eldur-Verlag 2004
Paperback, 372 Seiten, 9,95 €
Titelbild : Peter Lancester
ISBN 3-937419-01-2


Eine Burg in Hessen zu Beginn der 80er Jahre. Sitz einer verschrobenen Adelsfamilie, deren jüngster Sproß die fünfzehnjährige Eva ist. Mit dem Auftauchen merkwürdiger Wesen im Keller hält der Wahnsinn im Gemäuer Einzug. Eine scheinbar unendlich in die Tiefe reichende Treppe führt zurück ins Mittelalter - und noch weiter, tief in das Herz uralter Sagen, Mythen und Legenden.

"Das blaue Portal" ist der Auftakt eines abgeschlossenen, fünfteiligen Epos um eine Parallelwelt, die mit der unseren eng verbunden ist. Die geheimen Zugänge sind in der ganzen Welt verstreut, doch nur wer die Bücher ihrer Erbauer besitzt, kann sie finden.
Klappentext

Wie das Cover vielleicht schon vermuten läßt, ist das keine sogenannte klassische Fantasy mit Elfen, Orks und Drachen in der Hauptrolle. Es streift eher die Bereiche der Phantastik und des historischen Romans. Zumindest dieser erste Band. Die späteren Teile werden sich der klassischen Fantasy etwas annähern, was Schauplätze und Figuren angeht, jedoch auf eine sehr eigenwillige Weise.

In seiner Gesamtheit befaßt sich das Werk neben allen vordergründigen Abenteuern immer wieder mit der beunruhigenden Frage, was den Menschen eigentlich zum Menschen macht, und ob Gottes Existenz wirklich eine so wünschenswerte Sache ist.
Verlagsinfo

"Keine klassische Fantasy mit Elfen, Orks und Drachen in der Hauptrolle" - nun ja, Urban Fantasy gab es zum Zeitpunkt des Erscheinens des Romans schon mehrere Jahrzehnte. Nix Neues also. Eigenwillig kreierte Fantasywesen, in diesem Fall Mini-Pferde mit Händen statt Hufen : Auch nix, was ich nicht in dieser oder ähnlicher Form schon mal gelesen habe. Exotische Welten mit faschistischen Regimes : In der Fantasy altbekannt. Vom Plot und Szenario hat mich der Roman also nicht so vom Hocker gehauen. Altbekanntes neu vermengt. Aber gut vermengt.

Denn das ist der Vorzug dieses Auftaktromans eines über mehr als zehn Jahre geschriebenen Zyklus : Das Storytelling. Peter Lancester gelingt es, eine zumindestens für mich altbekannte Geschichte interessant und flüssig zu erzählen. Seine Charaktere sind detailliert beschrieben und gewinnen im Laufe der Geschichte immer mehr Tiefe. Der Wechsel zwischen der Moderne der 80er und den fast 600 Jahre früher geschehenen Ereignissen um Wilhelm von Grauenfels sowie die häufigen Perspektivenwechsel, in denen die Geschichte aus der Sicht der verschiedensten Protagonisten erzählt wird, machen das Buch schon zu einem Pageturner. Allerdings bleibt Peter Lancester im Mittel auf dem Niveau des Heftromans, diverse Ausschläge des Niveaus nach oben werden leider nicht weiter aufgenommen.

Die Geschichte ist also simpel, aber nicht trivial. Und gut erzählt, das kann man gar nicht oft genug betonen. Diverse humorvolle, erotische, zynische oder blutrünstige Episoden lockern die Geschichte auf und machen Lust auf mehr. Vielleicht ist der Stil an manchen Stellen etwas maniriert, aber mir hat der Roman insgesamt gefallen und ich bin einmal gespannt, ob sich die Geschichte in den nächsten Bänden noch zu neuen Höhen aufläuft. Daß ich gut unterhalten werde, weiss ich schon jetzt.

Freitag, 11. November 2016

TERRA EXTRA inside - Richard Koch : Plattentektonik 2

In Heft 151 beschäftigt sich Richard Koch dann mit den einzelnen Kontinentalplatten :

TERRA EXTRA 151 - Margaret St. Clair : Die Puppe aus dem Nichts


Margaret St. Clair : Die Puppe aus dem Nichts (Agent of the Unknown)
Terra Extra 151, 14.07.1967
Neuauflage
Deutsche Erstausgabe UTOPIA 290, 1961
Originalausgabe STARTLING STORIES 1951 als "Vulcan's Dolls"
erweiterte Buchausgabe ACE-Double 1956
Aus dem Amerikanischen von Hausmann
Titelbild : Johnny Bruck


Er lenkt die künstlichen Geschöpfe nach seinem Willen - denn er ist der Meister des Pseudolebens...
Teaser

Einer der sehr düsteren Romane von Margaret St. Clair. Don Haig ist ein Trinker und lebt am Strand irgendeines Hinterwäldlerplaneten. Eines Tages findet er eine Puppe, perfekt gemacht, so groß wie seine Hand. Sie weint purpurrote Tränen und ist, wie sich später herausstellt, eines der praktisch unbezahlbaren Meisterwerke des Puppenmachers, der unter dem Pseudonym "Vulkan" am anderen Ende der Galaxis lebt. Viele Leute wollen diese Puppe haben, Privatleute ebenso wie Regierungsbeamte. Doch Don Haig lässt sie sich nicht abjagen, wird trocken, besorgt sich einen Job und interessiert sich wieder für das Leben. Denn diese Puppe beschleunigt die Evolution und nach der Epedemie, die vor Jahrzehnten die Galaxis heimgesucht hat, ist die Erdregierung immer noch auf dem Trip, alles Andersartige auszumerzen. Und so wird Don plötzlich zum Zentrum der Aufmerksamkeit einer ganzen Galaxis...


Margaret St. Clair (1911-1995) ist eine der vielen Schriftstellerinnen, die seit dem Golden Age die angloamerikanische SF begleitet und (teilweise sehr stark) geprägt haben. (Nur mal so ein paar Zahlen, für diejenigen, die von diesem Satz irritiert sind : Von 1926 bis 1949 haben in den reinen SF-Magazinen (also ohne beispielsweise WEIRD TALES) 65 Autorinnen 288 Stories publiziert, wobei hier nur diejenigen mit erkennbar weiblichen Pseudonym gezählt wurden. In den Jahren 1950 bis 1960 kamen 138 Autorinnen dazu, in diesem Jahrzehnt wurden insgesamt 699 Stories von Autorinnen veröffentlicht. Weitere Details findet man in Eric Leif Davin : Partners in Wonder.) Geboren als Eva Margaret Neeley heiratete Margaret 1932 den Schriftsteller Eric St. Clair, "the leading American writer of children's stories about bears", und schrieb seitdem unter ihrem echten Namen als auch eher glattere, Fantasy-angehauchte Geschichten unter dem Pseudonym "Idris Seabright". Ihre Geschichten sind durch die Bank weg bemerkenswert, ich persönlich habe noch keine schlechte von ihr gelesen. Margaret St. Clair verwob in ihren Erzählungen den Aufbruchdrang der damaligen SF mit einem oftmals extrem zynischen Kommentar, der den himmelstürmenden Stil ihrer männlichen Kollegen in seine Schranken verwies.

Ab den 50ern begann Margaret St. Clair auch Romane zu schreiben, "Agent of Unknown", eine Erweiterung einer früheren Kurzgeschichte, ist ihr Erstling. Und wenn auch einige Inkonsistenzen und Unmöglichkeiten enthalten sind, so ist doch der Roman in seiner Gesamtheit eine faszinierende Geschichte, die wenig gealtert ist. Neben den Seitenhieben auf die damalige amerikanische Gesellschaft hat mir persönlich das melancholische Ende ausnehmend gut gefallen, es rundet die gesamte Story wohltuend ab. Unbedingt empfehlenswert, auch heute noch. Ich warte auf den Kleinverlag (die SFF-Standardverlage habe ich diesbezüglich schon lange abgeschrieben), der Margaret St. Clair in einer Gesamtausgabe herausbringt. Hätte was.

Links
Wikipedia
SFE
Keith West : The Women Other Women Don’t See