Donnerstag, 12. Januar 2017

James Corey : Abaddons Tor



James Corey : Abaddons Tor (Abaddon's Gate)
The Expanse 03
HEYNE 2014
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe Orbit 2013
Paperback, 624 Seiten, 14,99 €
Titelbild : ???
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski


Die Zukunft: Die Menschheit ist ins Weltall aufgebrochen und hat auf den Planeten Kolonien errichtet. Über Generationen hinweg wurde auf den über das ganze Sonnensystem verteilten Raumstationen ein friedliches Leben geführt – bis jetzt. Aber ist die Menschheit bereit für das, was draußen im All auf sie wartet?

Ein offenbar außerirdisches Protomolekül hat die Bevölkerung der Venus in Windeseile ausgelöscht und entwickelt sich nun rasant fort, mit katastrophalen Folgen. Uranus wird als Nächstes angegriffen, und dort entdecken die Menschen schließlich ein unheimliches Portal. Ein Portal, welches in eine sternenlose Dunkelheit führt. Um diesem unbekannten Objekt auf die Spur zu kommen, wird ein gerade am anderen Ende des Sonnensystems befindliches Raumschiff zur Hilfe gerufen. Captain Jim Holden und seine Crew werden mit dem Auftrag betraut, das fremdartige Artefakt zu untersuchen. Doch was sie nicht wissen: Hinter ihrem Rücken ist eine Verschwörung im Gange, mit dem Ziel, Holden mundtot zu machen und endgültig zu vernichten.

Während die Abgesandten der Erde versuchen herauszufinden, ob das Portal der Menschheit neue Möglichkeiten bietet oder ob die Gefahren überwiegen, bahnt sich das größte Verhängnis mitten unter ihnen bereits seinen Lauf ...
Klappentext

Fünfzehn Sekunden. Er würde es schaffen. Nun begann er mit der Sendung und schaltete die Außenkamera zu. Irgendwo da draußen war der Ring. Der tausend Kilometer große Kreis war noch zu klein und dunkel, um für das bloße Auge sichtbar zu sein.

»Nicht schießen!«, rief er der marsianischen Fregatte zu. »Nicht schießen!«

Noch drei Sekunden.

Die Torpedos schlossen rasch auf.

Dann verschwanden alle Sterne.

Néo tippte auf den Monitor. Nichts. Das Freund-Feind-Signal zeigte nichts an. Keine Fregatte, keine Torpedos. Absolut nichts. »Das ist aber komisch«, sagte er zu niemand im Besonderen. Auf dem Monitor war ein blaues Glühen zu sehen. Er beugte sich vor, als könnte er es verstehen, wenn er dem Bildschirm ein paar Zentimeter näher war. Die Sensoren, die vor hoher G-Belastung warnten, brauchten eine Fünfhundertstelsekunde, um anzusprechen. Der fest verdrahtete Alarm brauchte noch einmal eine Dreihundertstelsekunde, um anzuschlagen und die rote LED und das Notsignal mit Strom zu versorgen. Die kleine Meldung auf der Konsole, die vor einer Bremskraft von neunundneunzig G warnte, brauchte eine unglaublich lange halbe Sekunde, um die Leuchtdiode zu aktivieren. Zu diesem Zeitpunkt war Néo bereits ein roter Schmierfilm im Cockpit. Der Bremsschub des Schiffs hatte ihn schneller, als eine Synapse für die Aktivierung brauchte, durch den Bildschirm an die gegenüberliegende Wand geschleudert. Fünf endlose Sekunden lang knarrte und stöhnte das Schiff, das nicht anhielt, sondern angehalten wurde. In der endlosen Dunkelheit sandte die externe Hochgeschwindigkeitskamera tausend Bilder pro Sekunde aus und zeigte nichts.

Dann tauchte etwas auf.
Leseprobe

SPOILERWARNUNG !

Ist ja eigentlich unnötig, aber trotzdem möchte ich hier ein bißchen vor den unvermeidlichen Spoilern warnen. Ich habe mich ja bemüht, die ersten beiden Bände so spoilerfrei wie möglich zu kommentieren, aber hier geht das nun wirklich nicht mehr.

Denn erstens haben die Alien-Sporen ein Gate gebaut. Hier bekommt der Serien-Name "The Expanse" plötzlich eine galaktische Bedeutung. Cool. Weniger cool ist allerdings, daß sich hinter dem Gate noch so eine Alien-Automatik befindet, die alles auf Null abbremst. Siehe oben. Nicht so cool.

UND MILLER IST ZURÜCK. Zwar kann er nur von James Holden gesehen werden, aber er ist wieder da. Wobei man sich fragt, ob es wirklich Miller ist. Denn eigentlich ist er ja von den Sporen assimiliert und auf die Venus gebracht worden. Obercool. Insbesondere als der unbefangene Leser diesbezüglich keinerlei Hinweise bekommt, was jetzt eigentlich wirklich Sache ist.

Die Crew der "Rosinante" wächst immer stärker zusammen, die vier Crewmitglieder werden immer differenzierter dargestellt. Natürlich kommen auch viele neue Handlungsträger hinzu, aber der Fokus bleibt doch mehr und mehr auf diesen Vieren. Hat was, kann man nicht anders sagen. Wobei - um hier zukünftige Bücher vorwegzunehmen - nicht jeder der neu eingeführten Protagonisten bleibt nur für diesen Band relevant. Ich sage nur "Peaches"! :-)

Sehr schön ist auch, daß mit diesem Buch eine Zäsur eingeführt wird. Die Bedrohung durch die Protomoleküle ist verschwunden, stattdessen hat man jetzt (fast) die Möglichkeit, (fast) das ganze Universum zu bereisen. Und zu kolonisieren. Das wird doch die ganze Menschheit freuen. Da kann man von den nächsten Bänden eine Migration der Menschheit in das weite Universum erwarten, der Leser dürfte gespannt sein, was die Menschen dort erwartet.
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Ist es wirklich die ganze Menschheit, die sich über die neuen Möglichkeiten freut ? Und sind wirklich alle Protomoleküle aus dem Sonnensystem verschwunden oder hat irgendwo noch eine Probe überlebt ? *grins*


Dienstag, 10. Januar 2017

James Corey : Calibans Krieg



James Corey : Calibans Krieg (Caliban's War)
The Expanse 02
HEYNE 2013
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe Orbit 2012
Paperback, 656 Seiten, 14,99 €
Titelbild : ???
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski


Die Menschheit hat die Himmelskörper unseres Sonnensystems besiedelt. Doch der Friede bröckelt, denn die Kolonien begehren gegen die Vorherrschaft der Erde auf, und auf dem Jupitermond Ganymed haben die Kämpfe schon begonnen. Das Schicksal der Menschheit steht auf Messers Schneide ...

Das Sonnensystem ist in Aufruhr. Auf Ganymed muss eine Elitesoldatin mit ansehen, wie ihre Truppe von einem monströsen, übermenschlichen Superkrieger vernichtet wird. Auf der Erde kämpft eine hochrangige Politikerin mit aller Macht gegen den heraufziehenden interplanetarischen Krieg an. Und auf der Venus breitet sich ein fremdartiges Protomolekül aus, das an dem Planeten ungeahnte Veränderungen bewirkt und sich nun auf die anderen Himmelskörper des Sonnensystems zu verbreiten droht. Woher kommt es, und was bedeutet das für die Menschheit?

Währenddessen begibt sich Kapitän James Holden auf eine neue Mission. Von den leeren Weiten des äußeren Sonnensystems bringt er einen Wissenschaftler auf den Jupitermond Ganymed, der dort nach einem vermissten Kind suchen will – doch dass das Schicksal dieses Kindes mit der Zukunft des Sonnensystem und der
Menschheit zusammenhängt, begreift Holden erst, als es schon fast zu spät ist. Ein atemberaubender Wettlauft gegen die Zeit beginnt.
Klappentext


Der Anzug meldete sieben Ziele. Weniger als ein Drittel der Besatzung im UN-Vorposten.
Das ist doch völlig unsinnig.
Sie wies den Anzug an, in fünfhundert Metern Entfernung eine Linie in das Display einzuzeichnen. Ihren Untergebenen erklärte sie nicht, dass dies die Grenze war, von der an sie das Feuer eröffnen sollten. Das war nicht nötig. Ihre Leute würden schießen, sobald sie es selbst tat, ohne nach dem Grund zu fragen.

Die UN-Soldaten waren jetzt weniger als einen Kilometer entfernt, hatten ihrerseits aber noch keinen Schuss abgefeuert. Außerdem liefen sie nicht in Formation. Sechs kamen in einer unordentlichen Reihe vorneweg, der siebte folgte etwa siebzig Meter hinter ihnen. Ihr Helmdisplay wählte den Gegner auf der linken Seite als
Ziel aus, weil er der nächste war. Doch irgendetwas störte sie, und sie überging die automatische Zielauswahl, visierte das hintere Ziel an und vergrößerte es.Die kleine Gestalt wuchs in der Zieloptik heran. Es lief ihr kalt den Rücken hinunter. Sie erhöhte die Vergrößerung abermals.

Die Gestalt hinter den sechs UN-Marinesoldaten trug keinen Schutzanzug. Genau genommen handelte es sich auch nicht um einen Menschen. Die Haut war mit Chitinplatten bedeckt, die an große schwarze Schuppen erinnerten. Der Kopf war entsetzlich. Doppelt so groß wie normal und mit seltsamen Auswüchsen übersät. Das Schlimmste waren die Hände – viel zu groß für diesen Körper und im Vergleich zur Breite zu lang. Es waren Horrorhände aus dem Albtraum eines Kindes. Die Hände eines Trolls unter dem Bett oder die Klauen der Hexe, die durch das Fenster einsteigt. Sie spannten sich manisch, als wollten sie etwas Unsichtbares packen.Die Truppen der Erde griffen nicht an. Sie flohen.

»Schießt auf das Wesen, das sie jagt«, rief Bobbie, obwohl niemand es hören konnte.

Noch bevor die UN-Soldaten die fünfhundert Meter entfernte Feuerlinie erreichten, holte das Wesen sie ein.
»Oh, verdammte Scheiße«, flüsterte Bobbie. »Oh, verdammt.«
Es packte einen UN-Marinesoldaten mit den riesigen Händen und zerfetzte ihn wie ein Stück Papier. Die aus Titanium und Keramik konstruierte Rüstung riss ebenso leicht entzwei wie der Körper, der in ihr steckte. Ausrüstungsteile und feuchte menschliche Eingeweide flogen als wirrer Haufen auf das Eis. Die übrigen fünf Soldaten liefen noch schneller, doch das Ungeheuer wurde, wenn es tötete, nicht einmal merklich langsamer.
»Schießt doch, schießt doch, schießt doch!«, schrie Bobbie, während sie das Feuer eröffnete. Ihre Ausbildung und die Technik ihres Kampfanzugs machten sie zu einer äußerst effizienten Tötungsmaschine. Sobald ihr Finger den Abzug der eingebauten Waffe berührte, jagte mit mehr als tausend Metern pro Sekunde ein Strom von zwei Millimeter großen, panzerbrechenden Geschossen auf das Wesen zu. Weniger als eine Sekunde später hatte sie bereits fünfzig Geschosse abgefeuert. Das Wesen war ein vergleichsweise langsames Ziel von annähernd menschlicher Größe, das zudem geradeaus lief. Der Zielcomputer übernahm die ballistischen Korrekturen und hätte es ihr erlaubt, ein Ziel von der Größe eines Fußballs zu treffen, das sich mit Überschallgeschwindigkeit bewegte. Jede Kugel traf.
Eine Wirkung war nicht zu erkennen.
Die Geschosse schlugen einfach durch
Leseprobe

Der zweite Band ist ja immer so eine Art Bewährungsprobe. Bei vielen Zyklen ist ein deutlicher Qualitäts-Abfall zu bemerken, nur bei gut durchgeplanten Romanserien, bei denen die Autoren sich vorher über den Gesamtablauf detaillierte Gedanken gemacht haben, ist das anders. Meistens sind das dann auch die Zyklen, die man immer wieder liest. Und "The Expanse" scheint sich in diese Stufe einzureihen.

Denn von Langeweile ist bei "Caliban's War" nichts zu bemerken. Und das, obwohl der Grundplot mit dem ersten Band nahezu identisch ist : Ein Wirtschaftskonzern experimentiert mit den außerirdischen Sporen, vollkommen skrupellos gegenüber möglichen Nebenwirkungen. Witzigerweise der gleiche Konzern, der schon die Scheiße im ersten Band angerührt hat, was sehr elegant die These vom irrsinnigen Einzeltäter widerlegt. Gelungenes Szenario !

Und es treten neue Leute auf, die Politik spielt eine viel stärkere Rolle als im ersten Band. Und das, ohne die Überlebenden des ersten Bands zu vernachlässigen. Auch wenn für meinen ganz persönlichen Geschmack die politischen Machinationen etwas naiv dargestellt werden, hat mir die Komplexität der Geschichte sehr gut gefallen. Der Leser wird zusammen mit den Protagonisten so nach und nach an die hinter den Ereignissen ablaufenden eigentlichen Handlungen herangeführt, der Krimi-Aspekt macht einen großen Charme des Ganzen aus.

Independently intelligible but best appreciated after volume one—and with a huge surprise twist in the last sentence.
Kirkus Reviews

Die amerikanischen Kritiker waren durch die Bank weg vom zweiten Teil beeindruckt und ich kann ihnen nur zustimmen. Ein schöner zweiter Band, der die Expanse-Story intelligent weiterführt. Lohnt sich !

Montag, 9. Januar 2017

James Corey : Leviathan erwacht



James Corey : Leviathan erwacht (Leviathan Wakes)
The Expanse 01
HEYNE 2012
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe Orbit 2011
Paperback, 656 Seiten, 14,99 €
Titelbild : ???
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski


Im Weltall gibt es kein Gesetz ...

Die Menschheit hat das Sonnensystem kolonisiert. Auf dem Mond, dem Mars, im Asteroidengürtel und noch darüber hinaus gibt es Stationen und werden Rohstoffe abgebaut. Doch die Sterne sind den Menschen bisher verwehrt geblieben. Als der Kapitän eines kleinen Minenschiffs ein havariertes Schiff aufbringt, ahnt er nicht, welch gefährliches Geheimnis er in Händen hält – ein Geheimnis, das die Zukunft der ganzen menschlichen Zivilisation für immer verändern wird.
Klappentext

Nachdem diese Serie in phantastisch! 63 sehr positiv besprochen wurde, hatte meine Frau nix Besseres zu tun, als mir die Romane zum Geburtstag zu schenken. War nett, ich war echt überrascht.

Ebenso überrascht vom Inhalt, denn die Romane sind wirklich gut. Daniel James Abraham und Ty Corey Franck, die sich hinter dem Pseudonym "James Corey" verstecken, haben den Film Noir in den Weltraum verlegt. An mehreren Stellen habe ich Bogart direkt vor mir gesehen, wie er durch den Ceres-Asteroiden irrt. Das ist schon faszinierend und hat etwas von den klassischen SF-Pulps der 30er und 40er. Allerdings deutlich weniger naiv, wesentlich kritischer auch den eigenen Helden gegenüber.

Der erste Band der Expanse-Reihe ist ein typischer Einführungsband. Das Setting und die einzelnen Charaktere werden vorgestellt, die verschiedenen Fraktionen innerhalb des Sonnensystems angedeutet. Dabei gelingt es den Autoren, simple Infodumps zu vermeiden, sie zeigen die Gesellschaften innerhalb des Sonnensystems durch die verschiedenen Aktionen der Protagonisten. Hat mir ausnehmend gut gefallen, ist schon selten, daß man auf eine SF-Welt trifft, die nicht im ersten Augenblick völlig durchschaut wird. Fand ich gut.

Ebenso gut wie die herrliche Charaktersierung von James Holden als ungemein naiv-ehrlichen "Ritter auf dem weißen Ross". Erinnerte mich an klassische Western der Prä-Italo-Ära, als man sich auch manchmal fragte, wie sich ein Held so ausnutzen lassen konnte. Hier wird dies überdeutlich in aller Bitterkeit geschildert, ein gelungener Plot, der am Ende doch noch gut ausgeht. Naja, irgendwie. Aber eigentlich nicht wirklich... Der Böse stirbt auf jeden Fall, klassisch, das ist ok. Aber seine Aktionen haben Konsequenzen, die im nächsten Band (bzw. in den nächsten Bänden) hochkochen.

In jedem Fall ein gelungener Auftakt, ich habe dann nahtlos weitergelesen. Meiner Meinung nach sind die Expanse-Romane zukünftige Klassiker, man sollte sie sich nicht entgehen lassen.

Donnerstag, 5. Januar 2017

Paul Kearney : Der eiserne Krieg



Paul Kearney : Der eiserne Krieg (The Iron Wars)
Die Königreiche Gottes 03
Atlantis 2016
Neuausgabe
Deutsche Erstausgabe Bastei-Lübbe 2000
Originalausgabe Gollancz 1999
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 280 Seiten, 14,90 €
Aus dem Englischen von Michael Krug
Titelbild : Timo Kümmel
auch als Paperback und eBook erhältlich


Es ist Krieg in Torunna. Der Kampf gegen die verhassten Merduks geht in die entscheidende Phase. Die mächtige Feste Ormann ist gefallen und die Truppen des Sultans Aurungzeb marschieren gegen die Hauptstadt Torunn. Gefördert von der Königinmutter steigt der Stern des Soldaten Corfe aus Aekir. Ganz zum Missfallen des Königs Lofantyr. Dieser versucht alles, um den neuen Günstling seiner Mutter kaltzustellen.

Zur gleichen Zeit kämpft der junge König Abeleyn in Hebrion ums Überleben. Just im Moment des Sieges über seine adligen Gegner trifft ihn eine letzte Bombe und beraubt ihn seiner Beine. König Marks Schwester Isolla, die zur bündnisstärkenden Heirat aus Astarak angekommen ist, versucht zusammen mit dem Magier Golophin Abeleyn zurück ins Leben zu holen. Doch die Chancen sind gering und die adeligen Aasgeier kreisen bereits über dem Palast, um das Erbe des Königs anzutreten.

Auch in der nunmehr gespaltenen Kirche ist es unruhig. Die beiden Glaubensbrüder Albrec und Avila haben das Schriftstück über das wahre Leben des Heiligen Ramusio, dem Begründer des Glaubens in Normannia, aus dem Kloster Charibon gerettet und befinden sich nun auf der gefährlichen Reise zum zweiten Pontifex Macrobius nach Torunn. Die Wahrheit muss endlich ans Licht kommen: Sowohl die Merduks als auch die Bewohner der fünf Königreiche beten zum gleichen Heiligen, zum gleichen Gott.
Klappentext

Die Geschichte wird immer vorhersehbarer, die Klischees immer abgenutzter, die Figuren immer platter. Dagegen ist das Fantasy-Telefonbuch echt innovativ, wie ein Kommentator auf Amazon bemerkte. Das macht aber nix, der Schmöker ist gut geschrieben. Und selbst wenn man schon auf Seite 1 weiss, was in den folgenden 279 passiert, liest sich das Ganze doch recht angenehm.

Mittwoch, 4. Januar 2017

Paul Kearney : Die Ketzerkönige



Paul Kearney : Die Ketzerkönige (The Heretic Kings)
Die Königreiche Gottes 02
Atlantis 2015
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 390 Seiten, 16,90 €
Neuausgabe
Deutsche Erstausgabe Bastei-Lübbe 1997
Originalausgabe Gollancz 1996
Aus dem Englischen von Michael Krug
Titelbild: Timo Kümmel
auch als Paperback und eBook erhältlich


Die fünf Königreiche Gottes sind gespalten. Auf dem Treffen der weltlichen Herrscher haben sich die drei Könige Abeleyn von Hebrion, Mark von Astarak und Lofanty von Torunna vom neu gewählten Pontifex Himerius losgesagt und sind daraufhin exkommuniziert worden. Sie halten zum tot geglaubten Macrobius, dem alten Pontifex, der an der Seite des Soldaten Corfe, dem einzigen Überlebenden der Armee des John Mogen aus Aekir, in der Feste Ormann wieder aufgetaucht ist. Diese Festung wird auch zum Ort der ersten Niederlage der Merduks, die glaubten, nach dem Fall der Stadt Aekir nun leichtes Spiel auf ihrem Eroberungszug zu haben.
Klappentext

Auch der zweite Band der Reihe liest sich ganz gut, wenngleich er nichts Neues bringt und die Geschichte ziemlich vorhersehbar ist.

Das liegt allerdings auch daran, daß insbesondere in diesem Genre, in diesem Setting, zwei wirklich brilliante epische Erzählungen existieren : Die Deryni-Geschichten von Katherine Kurtz und die Safehold-Romane von David Weber.

Der erste Deryni-Roman erschien 1970 und stellt - analog zu Kearney - die Konflikte einer aufgeklärten Gesellschaft mit einer mittelalterlichen Kirche in den Vordergrund. In dieses Setting kehrt die Autorin immer wieder zurück, der letzte Roman ist von 2014.

David Weber schreibt da konstanter in seinem Nimue Alban-Universum, jedes Jahr erscheint ein weiterer Roman. Auch hier wendet sich eine Gesellschaft gegen eine mittelalterlich-inquisitorische Kirche.

Beide epischen Erzählungen sind um Klassen besser als die Kearney-Romane. Das liegt unter anderem daran, daß beide Autoren das Sprichwort "homo homini lupus" verstanden und in ihre Romane integriert haben. Im Gegensatz zu Kearney gibt es nämlich bei Kurtz und Weber keinen bösen Einfluß von Außen, alles ist menschengemacht und jeder ist für sich selber verantwortlich. Da braucht es keine bösen Werwölfe oder fiese Muselmanen, die auf die Gesellschaft einprügeln.

Wenn man also diese Romane kennt, gibt einem der Kearney inhaltlich wenig. Aber, wie gesagt, er liest sich ganz flüssig und ist für weniger belesene Leser sicher eine deutliche Empfehlung - wie man ja zum Beispiel den Amazon-"Rezensionen" anmerkt.

Dienstag, 3. Januar 2017

Paul Kearney : Hawkwoods Reise



Paul Kearney : Hawkwoods Reise (Hawkwood's Voyage)
Die Königreiche Gottes 01
Atlantis 2015
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 350 Seiten, 16,90 €
Neuausgabe
Deutsche Erstausgabe Bastei-Lübbe 1996
Originalausgabe Gollancz 1995
Aus dem Englischen von Michael Krug
Titelbild : Timo Kümmel
auch als Paperback und eBook erhältlich


Die fünf Königreiche Gottes stehen vor weitreichenden Veränderungen. Die Merduks, unter ihrem mächtigen Feldherren Shar Baraz, haben das Bollwerk im Osten, die Metropole Aekir, einfach überrannt und lagern nun vor den Toren der westlichen Welt. Gleichzeitig bläst der Orden der Brüder vom Ersten Tag zu einer Säuberungsaktion gegen alles ungläubige Zauberervolk in den fünf Königreichen Gottes. Besonders in Hebrion hat der junge König Abeleyn unter den frommen Fanatikern zu leiden. Bei der Suche nach einem Weg seine "magischen" Untertanen zu retten, stößt er auf die Pläne seines Vetters, Fürst Murad, und dessen Absichten, auf dem unerforschten westlichen Kontinent eine hebrionische Siedlung zu errichten. Auf den beiden Schiffen des Seemannes Richard Hawkwood soll die Expedition nach den Angaben aus einem alten Logbuch einer früheren Reise gestartet werden. Doch was Murad sowohl seinem König als auch Hawkwood verschweigt: Damals reiste das Grauen mit aus den westlichen Landen. Keiner der Expeditionsteilnehmer kehrte je lebendig in die Häfen von Hebrion zurück.
Klappentext

Typische epische Fantasy der 80er. Allerdings Mitte der 90er geschrieben und - wie man dem Erikson-Zitat auf dem Cover entnehmen kann - ziemlich hochgehypt. Das Setting ist das typische Mittelalter-Setting einer Standard-AD&D-Gruppe, gewürzt mit der üblichen bösen Kirche der Pseudomittelalter. Der Plot, beziehungsweise seine einzelnen Stränge, sind ebenfalls wenig innovativ und jemandem wie mir, der die internationale Fantasy seit ihren Neuanfängen in den amerikanischen Pulps der 30er kennt, wohlvertraut.

Allerdings sind die Romane gut geschrieben, trotz aller inhaltlichen Kritik lesen sie sich recht flüssig. Der allwissende Erzähler nervt zwar am Anfang, aber wenn man sich an den und die Vorhersehbarkeit der Geschichte gewöhnt hat, kommt man recht gut durch den Roman. Dabei fällt dem versiertem Leser allerdings die strukturelle Simplizität der Kapitel auf. Aber egal, das Buch ist auf jeden Fall ein guter Fantasy-Schmöker. Leider aber nicht mehr.

Montag, 2. Januar 2017

Andreas Brandhorst : Omni



Andreas Brandhorst : Omni
Piper 2016
Originalausgabe
Paperback, ca. 560 Seiten, 15,- €
Titelbild : ???
ISBN : 978-3-492-70359-8


Aurelius, vor zehntausend Jahren auf der legendären Erde geboren, ist einer von nur sechs Menschen, die Zugang zu Omni haben, einem Zusammenschluss von Superzivilisationen, der die Macht über die Milchstraße innehat. Nun erhält Aurelius seinen letzten Auftrag: Er soll verhindern, dass ein rätselhaftes Artefakt an Bord des im Hyperraum gestrandeten Raumschiffs Kuritania in falsche Hände gerät. Eine einflussreiche Schattenorganisation ist dem Wrack bereits auf der Spur. Der Agent Forrester und seine Tochter Zinnober sollen den Fund bergen und Aurelius entführen – denn mit seiner Hilfe könnte das Artefakt wieder aktiviert werden. Doch die Mission gerät außer Kontrolle – und Aurelius, Forrester und Zinnober finden sich in einem undurchsichtigen Spiel wieder, das die Zukunft der ganzen Menschheit bedroht ...
Klappentext

Der Asteroid, ein Felsbrocken mit einem Durchmesser von knapp fünfhundert Kilometern, zog einsam seine Bahn am Ende des Perseusarms der Milchstraße, viele Lichtjahre vom nächsten Sonnensystem entfernt. An seinem dunklen Himmel leuchtete das Feuerrad der Galaxis, hell genug, um auf der rauen, zerklüfteten Oberfläche des Asteroiden Muster aus Licht und Schatten zu erschaffen. Der Felsbrocken hatte keine Atmosphäre, die Schallwellen übertragen konnte, aber der Mann hörte, wie die dünne Kruste aus Methan- und Ammoniakeis unter seinen Stiefeln knirschte, als er sich der Mulde mit der Figur näherte, die älter war als er selbst, älter als zehntausend Jahre. Der Kontinua-Film – die für gewöhnliche Augen unsichtbare zweite Haut, die ihn vor dem kalten Vakuum des Alls und der harten Strahlung schützte – verwandelte die Vibrationen in Geräusche.

Die Figur erhob sich am tiefsten Punkt der Mulde; sie war einem Humanoiden nachempfunden, vielleicht einer Frau, die Gesichtszüge wirkten weich und sanft. Beide Arme waren erhoben, den Sternen entgegengestreckt. Wie bei seinem ersten Besuch vor mehr als tausend Jahren betrachtete der Mann die jadegrünen Augen und versuchte zu verstehen, was ihr Blick bedeutete. Sehnsucht? Staunen angesichts der Unermesslichkeit des Universums? Zum siebten Mal befand sich der Mann an diesem Ort, und wieder lag etwas anderes in den Augen, diesmal vielleicht ein Hauch von Melancholie.

Ein Licht erschien neben ihm, ein blauer Punkt, der zur senkrechten Linie einer Kontinua-Brücke wurde. Eine Gestalt trat aus ihr, legte mit einem Schritt so viele Lichtjahre zurück, wie der Mann alt war: zehntausend.

»Wieder hier, Aurelius?« Die Worte der Gestalt klangen wie leiser Gesang. »An diesem Ort?«

Der Mann lächelte kurz, vielleicht ein wenig wehmütig. »Von hier aus kann ich die Erde sehen.«

»Die Erde, Aurelius?«

»Beziehungsweise den Punkt der Galaxis, wo sich das Sol-System befindet.« Er deutete nach oben zum Orionarm der Galaxis. »Dort. Es gibt nicht mehr viele Menschen, die sich daran erinnern.«

»Außer dir nur fünf. Die anderen ausgewählten Reisenden.«

Der Mann namens Aurelius, vor zehn Jahrtausenden auf der Erde als Lukas Jaylen Ciriako geboren, deutete auf die Figur. »Wer hat die Statue erschaffen? Sie ist eine Million Jahre alt. Das sagen die Sensoren meines Schiffes.«

»Wir sind Omni, aber selbst wir wissen nicht alles.« Die Gestalt, die aus dem blauen Leuchten der Kontinua-Brücke gekommen war, breitete dünne Arme aus. »Warum wählst du für unser Treffen ausgerechnet diesen abgelegenen Ort?«

»Weil er abgelegen ist. Weil man hier Abstand hat, die Dinge aus einer anderen Perspektive sieht. Auf der Erde gibt es – oder gab es – ein Sprichwort: ›Man muss den Wald verlassen, um ihn zu sehen.‹«

Aurelius wandte sich von der Statue ab, die seit einer Million Jahren die Arme zu den Sternen hob. Das Wesen, das aus der Brücke gekommen war, schien mehr Licht als feste Substanz zu sein. Es ähnelte den Engeln des Sprawl, durch das die Raumschiffe der Menschen und einiger Äquivalent-Zivilisationen flogen. Vielleicht war es so alt wie die Statue, vielleicht noch viel älter. Aurelius kannte es seit fast zehntausend Jahren: Thrako von den Inper, der dreizehnten von vierzehn ihm bekannten Superzivilisationen des Omni.

»Das klingt nachdenklich«, sagte Thrako. Aurelius dachte von ihm als »er«, aber vermutlich hatte der Inper gar kein Geschlecht. Elfenbeinfarben und halb durchsichtig stand er vor dem Blau der Brücke, die Gliedmaßen lang und dünn, der Rumpf in der Mitte wie zusammengeschnürt, der schmale Kopf ein nach hinten führender Bogen. Die großen, silbernen Augen nahmen die Hälfte des Gesichts ein.

»Ich bin nachdenklich«, sagte Aurelius. »Ich denke über unsere Missionen nach. Sie scheinen nicht viel zu bewirken. Wir greifen hier und dort ein, vorsichtig, mit sanfter Hand, oft an Stellen, die auf den ersten Blick betrachtet unwichtig sind, und offenbar verändert sich nicht viel.«

»Zehntausend Jahre sind nicht viel Zeit.«

»Für Menschen schon.«

»Für einzelne von ihnen, für Individuen, aber nicht für die ganze Spezies, nicht für ihre Rolle auf der galaktischen Bühne.«

Aurelius seufzte, blickte erneut nach oben und betrachtete die Milchstraße. Eine große Bühne, ja, mit mehr Darstellern, als ein Mensch zählen konnte, und es fand nicht nur ein Stück auf ihr statt, sondern viele, vor allem Dramen und Tragödien.

»Eine letzte Mission«, sagte er langsam und fühlte das Gewicht in den Worten. »Dann möchte ich zurück ins Omni. Zurück zu euch. Für hundert Jahre.«

»Du hast dir eine Rückkehr verdient, Aurelius. Du könntest sofort zurückkehren, und für mehr als nur hundert deiner Jahre.«

»Eine letzte Mission«, wiederholte Aurelius. »Damit ich genug Zeit bekomme für eine Neubesinnung.«

»Was hast du vor?«, fragte Thrako.

Aurelius schickte ihm die Daten.

Mehrere Sekunden verstrichen, und als Aurelius’ Blick zu den jadegrünen Augen der Figur zurückkehrte, schienen sie sich erneut verändert zu haben. Etwas Abwartendes lag jetzt in ihnen.

»Es würde dich in Gefahr bringen«, sagte Thrako schließlich.

»Das lässt sich nicht vermeiden.«

»Du kannst sterben, Aurelius. Du bist nicht vor Gewalt geschützt.«

»Ich weiß.«

»Wir würden es sehr bedauern, dich zu verlieren.«

»Omni wird mich nicht verlieren.«

»Du willst deine Anonymität aufgeben, dich zu erkennen geben.«

»Das sieht der Plan vor, ja. Ich werde auf alles vorbereitet sein.«

Thrako klang fast traurig, als er sang: »Man kann nie auf alles vorbereitet sein, Aurelius. Das Unerwartete liegt immer auf der Lauer, überall.«

»Ich werde so gut vorbereitet sein wie möglich. Ist Omni einverstanden?«

Wieder folgten zwei oder drei Sekunden der Stille. Im blauen Spalt der Kontinua-Brücke flackerte es.

»Natürlich. Es liegt in deinem Ermessensspielraum. Es betrifft dich. Ich/wir sind einverstanden.«

Aurelius neigte kurz den Kopf. »Gut. Ich mache mich sofort auf den Weg. Wir sehen uns bald wieder.« Er drehte sich um und ging in Richtung seines Schiffes, das hundert Meter entfernt zwischen den Felsen auf ihn wartete.

»Aurelius?«

Er blieb stehen und drehte sich halb um.

»Ich wünsche dir Glück«, sagte Thrako und winkte mit beiden schmalen Händen.

»Das Glück«, erwiderte Aurelius, »ist ein unsicherer Verbündeter.«
Prolog

Hätte ich noch ein weiteres Mal gelesen, daß Forrester und seine Tochter Isdina-Iaschu, genannt Zinnober, eigentlich wegen der Entführung von Aurelius hätten bestraft werden sollen, ich wäre schreiend gegen die nächste Wand gelaufen. Aber so was von !

Dabei ist der Roman ansonsten ganz nett : Ein riesengroßes Universum, viele FirstOne-Zivilisationen, die sich zum Omni-Verbund zusammengeschlossen haben, eine Menge an hochtechnisierten, aber weniger entwickelten Rassen, die sogenannten Äquiv-Zivilisationen, eine ultrageheime Geheimagentur, ein Aussteiger aus dieser Agentur undsoweiter undsofort. Und trotz aller dieser Zutaten konnte mich der Roman nicht wirklich faszinieren, es blieb beim "ganz nett".

Und als ich all die begeisterten Kommentare auf Amazon las, fragte ich mich, warum eigentlich? Was war es, das mich der Roman nicht zu Begeisterungsstürmen hinriss, ganz im Gegenteil etwa zu dem 3 Band des Kanatki-Zyklus? Gleicher Autor, etwas älter, stilistisch eher weiterentwickelt. Die Story liest sich flüssig, vielleicht an ein, zwei Stellen zu wenig dynamisch, aber das war es definitiv auch nicht. Und als erster Band einer Reihe im Omni-Universum habe ich auch nicht so das Problem mit nicht bis ins letzte Detail beschriebenen Personen und Handlungsträgern. Und im Gegensatz zu "Das Schiff", dem letztjährigen Brandhorst, in dem er meiner Meinung nach den Schluß versaut hat, ist bei "Omni" die Geschichte aus einem Guß, gut durchstrukturiert und sauber erzählt, keinerlei (größere) Inkonsistenzen zu merken.

Nein, der Grund ist ein ganz anderer. Das wird schön an einer Hommage deutlich, die Brandhorst nicht am Ende aufführt : Dem Planeten "Mechanica" beispielsweise, die Raumschiffswerft im menschlichen Teil des Universums. Leute wie ich haben da sofort den gleichnamigen Planeten aus dem Perry Rhodan-Universum im Hinterkopf, sehen vor ihrem geistigen Auge das entsprechende John Wayne-Cover, fragen sich, wie es im Omni-Universum dem Zentralplasma geht undsoweiter undsofort. Doch das Mechanica von Andreas Brandhorst hat nix mit dem Mechanica von Perry Rhodan zu tun und der Autor legt auch keinen Wert auf diese Assoziationen. Denn er hat den Roman nicht für Fossilien wie mich geschrieben (die bei der im Prolog beschriebenen Relativen Unsterblichkeit sofort ein ganzes Bündel an Assoziationen zur Hand haben), sondern für Jüngere, die nächste Generation von SF-Fans. Und das ist meiner Meinung nach die grösste Leistung des Autors bei diesem Roman. Dieser Roman ist eben nicht für diejenigen, den den Sense of Wonder schon in Romanen von Asimov, Heinlein, Bulmer, Tubb, Lem, Boulle, Anderson, Moorcock, Harrison und wie sie alle heißen, erfahren haben, die nicht schon seit einem halben Jahrhundert SF lesen und vielleicht etwas "ausgeleiert" sind. Nein, "Omni" ist für die Nachfolgenden, für diejenigen, die 2016 ihre SF-Sturm-und Drang-Zeit haben. Und für die ist der Roman auch genau richtig.

Man sollte sich also von meinem Genörgel "Alles schon mal dagewesen" nicht irritieren lassen, gerade für jüngere SF-Fans – ääähhh, damit meine ich SF-Fans, die noch auf der richtigen Seite der 50 sind – bietet der Roman ungehemmten Lesespaß. Insbesondere als Andreas Brandhorst an vielen Stellen unheimlich bildhaft schreibt. Mein persönlicher Favorit dazu ist die Darstellung des Hyperraums/Mergerraums/Sprawl und der darin lebenden Wesen, den "Engeln". Hier wird die Fremdartigkeit und Exotik wunderbar zum Leben erweckt. [Erinnerte mich natürlich an Timothy Zahn und Norman Spinrad. *mitdemKrückstockrumfuchtel*] Brandhorst schreibt in diesen Szenen so plastisch, daß man sie sozusagen in Farbe und 3D liest.

Insgesamt also ein Roman, den man sich unbedingt kaufen sollte. Jedenfalls U50er. Und ich bin schon mal neugierig auf seinen nächsten Omni-Roman, der im Frühjahr 2017 erscheinen soll.

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen

Etwas entspannter in den letzten Tagen habe ich mich mehr meiner Bronchitis und meinen Briefmarken denn meinem Blog gewidmet. Und Weihnachten natürlich, obwohl ich sagen muß, daß immer mehr der von mir gekauften Weihnachtsgeschenke online organisiert werden. War nett, war entspannend, aber ich hätte Facebook zulassen sollen. Dieses Jahr scheint ja echt nach einer Vorlage von GRRM abzulaufen, Carrie Fisher, Debbie Reynolds, Knut Kiesewetter...

Anyway, ich sitze jetzt entspannt neben dem "brennenden" Tannenbaum, trinke meinen Tee und warte auf die nächste Portion Hustensaft. Und ich muß mal sehen, wahrscheinlich werde ich für nächste Woche noch ein paar Blogeinträge fertigmachen : Omni, Vektor, The Expanse, Paul Kearney - da ist noch einiges zu tun.



Aber erstmal noch ein paar Bilder vom Tannebaum. Im Gegensatz zu den meisten meiner amerikanischen Freunde wird er bei uns erst an Heiligabend, so etwa ab Mittag, geschmückt. Die Kugeln daran sind ein wildes Sammelsurium, teilweise über Generationen vererbt, zwischen 100 und 1 Jahr alt. Aber eben schön bunt.



In diesem Sinne ein Guten Rutsch allen meinen Bloglesern für 2017 und ein entspanntes Neues Jahr.

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Stefan Burban : Zwischen Ehre und Pflicht



Stefan Burban : Zwischen Ehre und Pflicht
Atlantis 2016
Originalausgabe
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 320 Seiten, 14,90 €
Titelbild : Allan J. Stark
Auch als Paperback und eBook erhältlich


Das 2. Bataillon des 105. Rangerregiments ist eine auf Guerillataktiken trainierte Eliteeinheit im Kampf gegen die Ruul. Auf unzähligen Welten haben die Berufssoldaten unter dem Kommando von Major Ryan Flynn ihren Wert und ihren Mut unter Beweis gestellt.

Umso frustrierter sind die Rangers, als sie dazu abkommandiert werden, die Miliz auf der abgelegenen Maguire-Kolonie auszubilden. Trotz ihrer Abneigung und Verachtung für die schlecht ausgebildeten Soldaten des Hinterwäldlerplaneten kommen sie ihrer Verpflichtung – wenn auch widerwillig – nach, nicht ahnend, dass der Tod auf den Planeten zurollt.
Klappentext

Und noch ein Burban, ich muß mal mit den Ruul-Romanen aufholen.

Und so wenig mir der letzte Drizil-Roman gefallen hat, so gut gefällt mir diese Ruul-Geschichte. Stefan Burban gelingt es, trotz zweier ziemlich extrem ähnlicher Szenarios Ruul- und Drizil-Geschichten komplett unterschiedlich zu erzählen. Und ich glaube, ich weiss jetzt auch, warum mir die eine Reihe gefällt und die andere nicht.

Die Drizil-Romane sind sehr von oben geschildert, Perspektive ist eigentlich durchgehend die Führungsebene. Tote Soldaten und Zivilisten werden summarisch abgehandelt, die Sicht darauf ist eine eher kollektive, einzelne Protagonisten bleiben meistens gesichtslos. Im Gegensatz dazu sind die Ruul-Romane sehr individuell, jeder, von der Führungsebene bis zum letzten Soldaten, bekommt ein Gesicht. Insbesondere in diesem Roman schildert Stefan Burban sehr schön die Auswirkungen der Ruul-Attacke auf Maguire auf jeder Ebene, exemplarisch und individuell. Ich denke mal, daß mir dieser individualistische Ansatz mehr liegt und daß ich den kollektiven ablehne. Das würde jedenfalls meine ganz unterschiedliche Reaktion auf die beiden Reihen von Stefan Burban erklären.

Der Roman selbst ist nett. Vorhersehbar zwar, aber einfach nett geschrieben. Wirklich, ich war von keiner einzigen Wendung des Romans überrascht und habe mich trotzdem zu keinem Zeitpunkt gelangweilt. Das ist schon eine Leistung des Autors.

Ebenso wie er hier das exakte Gleichgewicht (für meinen Geschmack) zwischen Detailinformationen und Handlung gefunden hat. Ebenso wie in dem letzten von mir gelesenen Drizil verliert sich Stefan Burban auch hier manchmal etwas heftig in militärischen Details. Das fällt aber erstens nicht so auf, weil es in den oben beschriebenen individualistischen Ansatz integriert ist und zweitens nicht so oft wie im Drizil geschieht.

Bei aller Liebe – und ich persönlich finde den Roman wirklich gut – kann man aber nicht verschweigen, daß die Geschichte doch sehr stark an der Oberfläche bleibt. Ryan Flynn und seine Leute kämpfen zusammen mit Nicoletta Maguire und ihren Leuten gegen ein Überfallkommando der Ruul. Mehr geschieht nicht, tiefergehende Einsichten in die Ruul-Psychologie oder die Befindlichkeiten der Menschen gibt es nicht wirklich. Das störte mich zwar überhaupt nicht bei der Lektüre, könnte aber sensiblere Gemüter abschrecken. Ich dagegen freue mich schon auf den nächsten Ruul.

Dienstag, 20. Dezember 2016

Dirk van den Boom : 1713



Dirk van den Boom : 1713
D9E 13
Wurdack 2016
Originalausgabe
Paperback, 254 Seiten, 12,95 €
ISBN : 978-3955561222


Im Ringen um die Vorherrschaft in der Milchstraße rücken die 1713 in den Mittelpunkt. Die enigmatische Roboterzivilisation hält in den Augen vieler den Schlüssel für den Sieg gegen die Hondh in ihren Händen. Doch gerade dieses Potential ruft auch jene auf den Plan, die in den hochentwickelten und intelligenten Robotern die größte Gefahr für ihre Pläne sehen. Als eine Frau, Besatzungsmitglied eines Minenraumschiffs, havariert und von den Robotern gerettet wird, setzt sie unfreiwillig eine Kette von Ereignissen in Gang, die zu einer Umwälzung der Verhältnisse führen kann, mit der niemals jemand gerechnet hätte. Ob Agenten der Hondh, die alte Mannschaft der Interceptor oder die Mechanische Hoheit: alle Augen richten sich auf das Schicksal der 1713.
Klappentext

Nach dem Burban habe ich dann gleich seinen Konkurrenten gelesen, der Herr Peinecke möge mir verzeihen, daß ich nicht der Reihe nach vorgehe. Aber das passte irgendwie.

Und der Roman passt auch. Auf Asimovs Spuren schildert Dirk van den Boom eine Maschinenzivilisation. Und zwar eine heute bereits durchaus vorstellbare, ihrer Uralt-Programmierung stur folgende. Hier sind Maschinen keine metallenen Menschen, stärker noch als Isaac Asimov mit seinen Roboter-Geschichten zeigt Dirk van den Boom die Maschinenzivilisation der 1713 als programmierte und damit auch beschränkte Entität. Und ebenso wie Asimov wird van den Boom nicht langweilig, seine Darstellung der Ereignisse um den Angriff der Hondh auf die 1713 ist hervorragend gelungen : Dynamisch, schnelle Perspektivenwechsel, sehr schön geschilderte Roboter und – last but not least – eine ganz gehörige Portion Sarkasmus. Plus der Integration von Erfahrungen des Beraters Dirk van den Boom aus dem Richtigen Leben :
"Mein Traummann! Ich wusste es!"
Thrax stand auf, umschlang Skepz' Oberkörper, drückte sie sanft an sich, zögerte einen winzigen Moment, dann entließ er sie in die Freiheit.
"Die Besprechung", sagte er heiser.
Die konnten ihn jetzt alle mal so richtig am Arsch lecken.
Thrax grinste, jungenhaft, und es war eine ehrliche Präsentation des plötzlichen Glücks, das wie ein Sprudeln aus einer lang versiegt geglaubten Quelle in ihm aufstieg.
So richtig!
Eine gute Basis für ein erfolgreiches Meeting.
Sehr schön fand ich auch die Unvorhersehbarkeit der Handlung. Dirk van den Boom macht es nicht nur spannend, er hat auch ein ziemlich präzises Exposé, das er abarbeitet. Man merkt es dem Roman an, daß er durchgeplant ist, so gut durchgeplant, daß jeder neue Plot-Twist eine Überraschung darstellt. Der unbefangene Leser durchlebt und durchleidet den Untergang von 1713 – und den Beginn einer Jagd auf Hondh-Agenten. Eine gelungene Space Opera, die ich nur jedem Hardcore-SF-Fan ans Herz legen kann.

Montag, 19. Dezember 2016

Stefan Burban : Im Zeichen der Templer



Stefan Burban : Im Zeichen der Templer
Atlantis 2016
Originalausgabe
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 320 Seiten, 14,90 €
Titelbild : Mark Freier
auch als Paperback und eBook erhältlich


1187 nach Christus.

Im Heiligen Land tobt ein erbitterter Kampf zwischen Salah ad-Din, bei seinen Feinden unter dem Namen Saladin bekannt, und den Kreuzfahrerstaaten unter der Führung von Guy de Lusignan, dem König von Jerusalem.

Nachdem Saladin das christliche Heer in der Schlacht bei Hattin vernichtend schlägt, ist der Weg frei, der Fall Jerusalems nur noch eine Frage der Zeit.

Der junge Tempelritter Christian d’Orléans wird tödlich verwundet auf dem Schlachtfeld zurückgelassen. Doch dort erfährt er größere Schrecken, als der Krieg ihm je hätte zeigen können. Eine dunkle Kreatur fällt über ihn her und macht ihn zu einem Wesen der Nacht – einem Vampir.

Schon bald darauf verdichten sich die Hinweise, dass hinter Saladins Invasion der Kreuzfahrerstaaten wesentlich mehr steckt als nur der Wunsch, Jerusalem zu erobern.

Hin und her gerissen zwischen dem mit seiner neuen Existenz verbundenen Blutdurst und dem Eid, den er seinen Brüdern vom Templerorden gab, macht sich Christian auf, die Verschwörung hinter dem blutigen Krieg im Heiligen Land zu ergründen, wohl wissend, dass er in eine verlorene Schlacht zieht …
Klappentext

Es gibt offenbar einen knallharten Wettbewerb zwischen Dirk van den Boom und Stefan Burban. In diesem geht es darum, pro Jahr möglichst viel Romane zu veröffentlichen. Dirk hat da zwar noch die Nase vorn, spannt aber unfairerweise seine Schwester Sylke Brandt mit ein, während Stefan heroisch als Einzelkämpfer vor sich hin schreibt.

Soweit die Verschwörungstheorie. Wenn man aber die Veröffentlichungsliste beider Autoren betrachtet, scheint diese Idee allerdings gar nicht so abwegig zu sein. Stefan Burban schreibt momentan Space Operas in Form der MilSF-Serien des Ruul- und Drizil-Zyklus. Und Fantasy in Form der Dämonenkrieg-Serie. Von jeder dieser drei Serien sind dieses Jahr ein bis drei Ausgaben bei Atlantis erschienen. Von den Battletech-Romanen bei FanPro einmal ganz abgesehen. Und jetzt beginnt er mit einer neuen Vampir-Serie – oder wird dies ein Einzelroman bleiben? Ich glaube es nicht, die Geschichte ist zwar schön abgeschlossen, das Setting bietet aber noch Stoff für diverse weitere Erzählungen.

Die ich auch gerne lesen würde. Denn neugierig wie ich war, habe ich mir den neuen Roman von Stefan Burban gleich nachdem er bei mir aufgeschlagen ist vorgenommen. Die Vampir-Darstellung ist nicht neu, hebt sich aber angenehm von dem kitschigen Geschmachte der Vampirschlampenromanen in der Nachfolge von "Twilight" ab. Burbans Vampire sind ursprünglicher, böser und unmenschlicher, der sie zu jeder Zeit beherrschende Blutdurst ist ein zentrales Thema. Doch auch sie haben die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu differenzieren, die Entscheidungsfreiheit dieser Wesen ist ein zentraler Punkt des Romans.

Was mir fehlte, ist der religiöse Aspekt der Verwandlung, der im Roman nur extrem kurz angerissen wird. Haben Vampire eine Seele und sind sie auch nach ihrer Transformation weiter Geschöpfe Gottes? Über diesen Aspekt geht Stefan Burban leider zu leichtfertig drüber hinweg, wenngleich die Geschehnisse an sich eben diese Frage durchaus beantworten könnten.

Aber das ist dann schon Kritik auf ganz hohem Niveau. Bis auf diesen mir persönlich fehlendem philosophischen Aspekt liest sich der Roman nämlich ganz hervorragend, Stefan Burban führt das Szenario der Kreuzzüge im Heiligen Land so gelungen ein, daß man sich schon nach wenigen Seiten in dieser Zeit und diesem Setting zuhause fühlt. Auch die Geschichte selbst ist spannend erzählt und hat zwischendurch sehr schöne überraschende Wendungen. Das Ende ist fast schon klassisch zu nennen.

Köstlich amüsiert habe ich mich allerdings über die Darstellung von Robin Hood, den ich – der ich sonst nicht so der Blitzmerker bin – bereits beim ersten Auftritt erkannte. Ein echt gelungener Gimmick, gerne wieder, gerne mehr von dem Kaliber.

Insgesamt also ein Romika-Roman : Reinlesen und sich wohlfühlen. Und wer noch ein Weihnachtsgeschenk in letzter Sekunde sucht, ist hier gut bedient.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Karla Schmidt : Ein neuer Himmel für Kana



Karla Schmidt : Ein neuer Himmel für Kana
D9E 11
Wurdack 2016
Paperback, 263 Seiten, 12,95 €
ISBN 978-3955560201
Reihenführer D9E – Die neunte Expansion


Die Kaita leben isoliert, ihr Planet Kana ist arm an Ressourcen, weder Menschen noch Hondh interessieren sich dafür. Erst, als tief in Kanas Höhlen Raumschiffe aus Stein entdeckt werden, erhält Karman einen Eingeborenen-Körper, um der Sache unauffällig nachzugehen.

Nichts ahnend begleitet Dabo ihre sehbehinderte Schwester Mija in die Höhlenstadt Forta, wo sie behandelt werden soll. Mija verschwindet spurlos, und Dabo ist überzeugt: Dieser merkwürdige Karman hat etwas damit zu tun. Mija jedoch ist längst an einem Ort, von dem kein Kaita je zurückgekehrt ist. Das Unvermeidliche geschieht: Der Krieg holt auch sie ein.
Klappentext

Kam gut, nach einer ziemlich frustrierenden Lektüre dann dieser Roman. Ziemlich gute SF mit sehr nachdenklichen Untertönen. Aber der Reihe nach.

Karla Schmidt schildert eine Alien-Zivilisation, humanoid zwar, aber trotzdem fremdartig und nichtmenschlich. Ihre Kaita können in den Mergerraum sehen und sich darin bewegen. Diese Alien-Exotik von mehrdimensionalen Wesen - denn nichts anderes sind diese Aliens - schildert die Autorin, ohne sich in fraktalen Beschreibungen zu verlieren. Die Evolution auf Kana ist andere Wege gegangen und obwohl die Kaita menschenähnlich sind, bleiben sie doch fremd und "anders". Dies wird besonders gut an der Interaktion mit dem Cyborg Karman dargestellt, der witzigerweise die Menschheit repräsentiert.

Derartige sarkastische und ironische Details geben dem Roman noch eine zusätzliche Würze, an keiner Stelle verfällt Karla Schmidt in den Mainstream-Kitsch, wie er heutzutage nur allzu gern geschrieben wird. Und, wie Ralf Steinberg so treffend sagte, die gesamte Geschichte ist nicht nur elegant strukturiert, sondern auch von Beginn an gut durchdacht. Die Revolution der Kaita gegen die Bevormundung durch Hondh und/oder Menschen ist fast schon zwangsläufig, Setting und Plot lassen gar nichts anderes zu.

Dabei hat mich diese Geschichte stark an das Aufbegehren der B5-Koalition gegen Volonen und Schatten erinnert. Hier wie dort werden die Bevormundungen durch angeblich weisere Wesen abgelehnt und ein eigener Weg gegangen. Eine Botschaft, wie ich sie gerne öfter in der zeitgenössischen deutschen SFF lesen würde. Mir hat der Roman jedenfalls ausnehmend gut gefallen, Setting, Plot und inhärente Botschaft bilden eine gelungene Einheit. Gerne mehr, gerne öfter.


D9E – Die neunte Expansion
01 - Dirk van den Boom : Eine Reise alter Helden (2013)
02 - Niklas Peinecke : Das Haus der blauen Aschen (2014)
03 - Matthias Falke : Kristall in fernem Himmel (2014)
04 - Nadine Boos : Der Schwarm der Trilobiten (2014)
05 - Dirk van den Boom : Ein Leben für Leeluu (2014)
06 - Niklas Peinecke : Die Seelen der blauen Aschen (2015)
07 - Matthias Falke : Agenten der Hondh (2015)
08 - Holger M. Pohl : Fünf für die Freiheit (2015)
09 - Dirk van den Boom : Der sensationelle Gonwik (2015)
10 - Niklas Peinecke : Die Sonnen der Seelen (2016)
11 - Karla Schmidt : Ein neuer Himmel für Kana (2016)
12 - Holger M. Pohl : Im Schatten der Hondh (2016)
13 - Dirk van den Boom : 1713 (2016)
14 - Matthias Falke : Hinter feindlichen Linien (2017)
15 - Dirk van den Boom : Das Spinledeck-Gambit (2017)
16 - Holger M. Pohl : Mengerbeben (2017)
17 - Nadine Boos : Tanz um den Vulkan (2017)
18 - Holger M. Pohl : Jene, die sich nicht beherrschen lassen (2018)

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Matthias Falke : Der Terraformer 2



Matthias Falke : Der Terraformer 2
Atlantis 2016
Originalausgabe
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 370 Seiten, 16,90 €
Titelbild : Timo Kümmel
auch als Paperback und eBook erhältlich


Mit diesem Roman setzt Matthias Falke das Abenteuer aus "Der Terraformer" fort!

Ragna und Roderick genießen mit ihren Kindern den Frieden auf Hroisengart. Olaf wurde verbannt und büßt seine Strafe auf dem fernen, unwirtlich Minenplaneten Hryfir ab. Der alte Orluffson hält schützend die Hand über die junge Erzweltenfamilie. Aber als der Patron stirbt, meldet Olaf seine Ansprüche an.

Auf dem terraformten Planeten erntet Anders McCoy die Früchte seiner Arbeit. Die Welt ist begrünt. Riesige Tierherden ziehen über die Prärien. Das Abenteuer auf den Erzwelten scheint nur eine romantische Episode gewesen zu sein. Doch dann landet eine Fähre mit dem Wappen einer alten Dynastie und seine Verstrickung in die undurchschaubaren Händel der traditionsbewussten und stolzen Kultur holt ihn wieder ein.
Klappentext

Die Kritik, die ich beim ersten Band formuliert hatte, bleibt auch beim zweiten erhalten. Matthias Falke gelingt es nicht wirklich, die Andersartigkeit der Gesellschaft der Erzweltler, darzustellen. In diesem zweiten Band kommt auch die Überlegenheit der Kultur, der Anders McCoy angehört, nicht so deutlich wie im ersten Teil rüber. Und, was mich auch irritierte : Es wurde nicht klar, wieviel Zeit eigentlich seit den Geschehnissen von Band 1 vergangen sind.

ABER : Es gibt geniale Passagen in diesem Roman. Am Anfang, auf den ersten paar Seiten, als Anders McCoy noch alleine auf dem Namenlosen Planeten ist und die Terraforming-Effekte betrachtet, da hatte ich das gleiche Feeling wie bei "Silent Running", sah Bruce Dern vor mir und hörte den Soundtrack. Und doch war es ganz anders, Matthias Falke hat nichts von dem, was in diesem Film passiert, geschildert. Nur das Feeling, das ist gleich. Ganz große SF, super gelungen, jederzeit gerne wieder. Für mich hat sich alleine schon wegen dieser, sich nur auf drei Seiten erstreckenden Passage, das Lesen des Romans gelohnt.

Das ist aber nicht der einzige positive Aspekt des Romans. Denn wenngleich die Gesellschaften nicht so dargestellt werden, der Clash of Civilisations nicht im Mittelpunkt steht, so ist der Roman doch durchgehend gute SF. Ebenso wie im ersten Band zeigt Matthias Falke sehr schön auf, daß Intelligenz und Hochtechnologie deutlich simpler Brachialgewalt überlegen sind. Die Gimmicks und Gadgets kommen zwar nicht so überwältigend rüber wie im ersten Teil, sind aber auch hier schön durchdacht und zielführend eingesetzt. Auch mit der Schilderung von Flora und Fauna exotischer Planeten hat sich Matthias Falke angenehm viel Mühe gegeben, zusammen mit der Selbstironie und dem teilweise überdeutlich durchschimmernden Sarkasmus des Autors ist der Roman schon ein echter Pageturner. Mir hat der Roman trotz der oben angeführten Kritikpunkte viel Spaß gemacht - und ich warte jetzt auf den dritten Teil. *mitdemZaunpfahlwinkentu*

Dienstag, 13. Dezember 2016

Tom Zola : Blinde Wut



Tom Zola : Blinde Wut
V-Fall Erde 1
Atlantis 2016
Originalausgabe
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 270 Seiten, 14,90 €
Titelbild : Mark Freier
auch als Paperback und eBook erhältlich


Krisen und Konflikte prägen das Weltgeschehen. Die EU droht zu zerfallen, der Nahe Osten zerfleischt sich, die NATO und das von Russland angeführte »Krimbündnis« belauern einander. Eine weltweit koordinierte Serie von Anschlägen erschüttert in dieser Situation die Staatengemeinschaft. Deutschland, das türkisch-iranische Grenzgebiet, Niger und die Mongolei werden zeitgleich angegriffen.

Reflexartig wechseln die Entscheider dieser Erde in den Angriffsmodus, kündigen Maßnahmen an, fordern Vergeltung. Sündenböcke sind schnell gefunden. Die wichtigsten Militärbündnisse bringen sich in Stellung. Die Menschheit wankt dem Abgrund entgegen, blinde Wut bestimmt ihr Handeln.

Dennis Bernau, Stabsunteroffizier der Bundeswehr, wird mit einem gigantischen Truppenaufgebot der NATO in den Nahen Osten verlegt. Ihm dämmert bald, dass sein Land, dass der gesamte Westen vorschnell gehandelt hat. Es scheint, als habe eine unbekannte Macht ihre Finger im Spiel – eine Macht, die nicht von dieser Welt ist.
Klappentext

Aha.
Nun, ja.
Nachdem ich diesen Roman gelesen habe, mailte ich erst einmal Stefan Burban an und entschuldigte mich für jegliche negative Kritik an seinen Romanen. Denn wenn man nur deutsche MilSF von Stefan Burban, Dirk van den Boom und Frank W. Haubold liest, an internationaler MilSF nur John Ringo, David Weber, Jack Campbell, Simon R. Green und Elizabeth Moon goutiert, dann ist man literarisch verwöhnt. Und auf so einen primitiven Kram wie "V-Fall Erde" nicht vorbereitet.

Der Roman zerfällt in drei, sich teilweise überlappende Teile. Der erste Teil handelt von den Erlebnissen der Gruppe Bernau im Manöver "European Sword", der zweite Teil zeigt die deutsche Politik nach den von Aliens verursachten Vorfällen und der dritte Teil schildert wieder die Erlebnisse der Gruppe Bernau im Krieg gegen den Iran. Und jeder einzelne Teil ist ...suboptimal.

Der erste Teil, die Erlebnisse der "3. Gruppe des Jägerzugs der 5. Kompanie, Jägerregiment 1" ist so primitiv und simpel, daß ich mich sehr stark an die LANDSER-Heftchen erinnert fühlte, die ich vor vierzig Jahren mal gelesen habe. Auch hier keinerlei Selbstreflexion, klischeehafte Protagonisten ohne Tiefgang, die teilweise simpelst aus irgendwelchen Filmen abkopiert wurden. Man merkt deutlich, daß hier das Hohelied des Landsers gesungen werden soll. Nur doof, wenn Leser wie ich bereits vor Jahrzehnten die darin enthaltene Geschichtsklitterung erkannt haben. Und auch hier wird viel Bullshit gelabert, bei dem ich teilweise – etwa wie bei der Debatte über die Ausrüstung der Polizei gegenüber der militärischen – nur den Kopf schütteln konnte.

Aber der (erste) militärische Abschnitt mag zwar seine Idiotien, plotdriven Elements und schriftstellerische Mängel haben, gegenüber dem politischem Teil ist er noch echt Gold. Denn die Politik wird derartig naiv dargestellt, da war man in den 50ern schon weiter. Und selbst mein 16jähriger Sohn hat mehr politische Weit- und Einsicht als der Autor hier vermittelt. Ganz davon abgesehen, daß es mir persönlich beim Lesen der dargestellten Politik vorkam, als würde der Autor hier deutlich das Führerprinzip als Ultima Ratio schildern. Aber vielleicht bin ich durch die Lektüre dieses Machwerks schon etwas sehr voreingenommen. In jedem Fall merkt man, daß hier eine politische Landschaft auf dem Niveau unbedarfter Schulabbrecher geschildert wird. Die tatsächlichen Realitäten - beispielsweise die Problematik der Parteikarrieren und der damit einhergehenden Gleichmacherei - werden nicht einmal ansatzweise dargestellt.

Vollständig daneben ist dann der dritte Teil, bei dem es zum Angriff der NATO auf den Iran kommt. Uninteressant, uninspiriert und langweilig, lohnt nicht, darauf genauer einzugehen.

Viel Schlimmer allerdings die absurde Begründung, weswegen es überhaupt zum Krieg kommt : Niemand hat die Aliens wirklich auf dem Schirm, obwohl es bis in die Politik durchgesickert ist, was da an einigen Orten passierte. Inklusive Bilder und Videos. Und selbst dies ist in der europäischen Zivilisation des Jahres 2016 ziemlich lächerlich, der mündige Bürger, den Politiker vergangener Jahrzehnte immer gefordert und den die Politiker dieses Jahrzehnts immer gefürchtet haben, würde die Meldung von Alien-Angriffen zusammen mit den entsprechenden Videos in Rekordzeit über den ganzen Globus verbreiten. Da muß man nicht den Bendler-Block bemühen, um die Aufklärung der Politik darzustellen. Ganz davon abgesehen, daß der absurde dritte Teil logischerweise hätte entfallen müssen.

Ich könnte jetzt noch mehr Stellen des Romans verreissen, aber ehrlich gesagt ist mir dieser Quatsch zu blöde. Ich hatte so etwas befürchtet, als ich sah, daß Tom Zola einer der Autoren der braunen Ecke beim HJB-Verlag ist. Allerdings dachte ich, daß der Atlantis-Verlag eine etwas bessere Qualitätskontrolle hat. Aber diese ist wohl bei den Lippenbekenntnissen zu den "Guten", die sich plakativ und selten dümmlich ebenfalls im Roman finden, einfach ausgestiegen.

Ich als Abonnent der "Edition Atlantis", der ziemlich viel Knete für die Hardcover hinlegt, fühle mich jedenfalls verarscht. Denn so ein primitiver "Landser im Weltraum" muß nicht sein, so einen Quark muß ich nicht haben. Da gehe ich vollkommen mit Hans-Peter von Peschke konform, der diesem Kram summa summarisch nur einen Nebensatz widmet. Und ich frage mich, was als nächstes noch aus dieser Ecke auf mich zukommt.

Montag, 12. Dezember 2016

phantastisch! #64



phantastisch! #64
Herausgeber : Klaus Bollhöfer
Atlantis 2016
Magazin, 76 Seiten, 5,30 €
Titelbild : Michael Vogt

Inhalt


Interviews
Frank Hebben - ANDREAS ESCHBACH : »Ideal wäre natürlich ein Buchregal, über dem einfach ›Eschbach‹ steht.«
Olaf Brill - MICHAEL VOGT & BALTHASAR VON WEYMARN : Mark Brandis im 21. Jahrhundert
Dirk Berger - HANNES RIFFEL: »Wir waren von Anfang an auf eine gute Mischung bedacht.«
Christian Endres - JENS LUBBADEH : »Ich hätte lieber einen berechenbaren digitalen JFK als einen erratischen analogen Donald Trump.«
Jan Niklas Meier - LARS SCHMEINK : »Wenn du ein Netzwerk von Gleichgesinnten suchst, dann gründe doch einfach eines.«

Bücher, Autoren & mehr
SIMONE DALBERT : Gestrandet in der Wüstenstadt
JAN NIKLAS MEIER : Die Monster im ewigen Eis
OLAF BRILL : Weltraumpartisan aus Berlin
ACHIM SCHNURRER : Ein phantastisches Buch!
SONJA STÖHR : phantastisch! im Dialog – »Was eigentlich übersetzt gehört …!«
ACHIM SCHNURRER : Klassiker der phantastischen Literatur – Albert Vigoleis Thelen (Teil 1)
SONJA STÖHR : Phantastisches Lesefutter für jedes Alter
KLAUS BOLLHÖFENER : Karl Mays Magischer Orient
MUNA GERMANN : Big Brother heute … mehr als 30 Jahre nach 1984
RÜDIGER SCHÄFER : »Kauder-Websch und Cyberslang«

Phantastische Nachrichten zusammengestellt von Horst Illmer

Rezensionen
Terry Bisson (Hrsg.) »Joe R. Lansdale – Miracles ain’t what they used to be«
Rachel Bach »Sternenschiff«
George R. Stewart »Leben ohne Ende«
Arno Endler »Paracelsus«
Jeff Lemire / Dustin Nguyen »Descender 1: Sterne aus Blech«
Markus K. Korb »Xenophobia«
Lothar Nietsch »Blut der Wiederkehr«
Jack McDevitt »Apollo«
David Walton »Quantum«
Andreas Gruber »Apocalypse Marseille«

Comic & Film
OLAF BRILL & MICHAEL VOGT : Ein seltsamer Tag – Teil 24
CHRISTIAN ENDRES : Der aerodynamische Junge

Story
STEVEN BRUST : »Mira«



Das neue phantastisch!, das Magazin mit den faszinierendsten Artikeln des phantastischen Genres. Auch diesmal wieder ein Genuß, die Autoren stacheln sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Aber der Reihe nach, das Heft beginnt mit update von Horst Illmer. Kurznachrichten, die ich jedesmal mehrfach lese, damit mir nix entgeht. Denn hier sind auf kleinstem Raum kompakte Informationen qualifiziert zusammengefasst. Gerne mehr, ich hätte auch mit fünf bis zehn Seiten davon kein Problem.

Interviews sind nicht wirklich mein Ding, wenngleich ich (siehe auch das FollowUp unten) seit einiger Zeit da doch genauer hingucke. Das Interview mit Andreas Eschbach ist nett, der Typ ist einfach ein ausnehmend sympathischer Autor. Das Interview mit Jens Lubadeh fand ich persönlich entlarvend. Ohne dem Autor zu nahetreten zu wollen, offenbart sich meiner ganz persönlichen Ansicht nach doch in diesem Interview eine gewisse Angst vor der Realität, vor echten Personen, die Mist bauen könnten, aber die Gesellschaft voranbringen. Diese stark konservative Ansicht teile ich in keinster Weise, weshalb im Umkehrschluß das Interview von Christian Endres für mich sehr erhellend war. Sehr interessant fand ich auch das Interview bezüglich "Mark Brandis", ich war von den neuen Hörspielen nämlich schon etwas enttäuscht. Denn selbst wenn ich die nicht höre - hier sind Frau und Kind die Fans - so hatte ich doch eine Weiterentwicklung nach vorne erwartet. Schön, daß hier die Hintergründe der aktuellen Entwicklung der Hörspiele dargestellt werden, gerne öfter. Bei den anderen beiden Interviews hatte ich so ein bißchen den Eindruck von Product Placement, allerdings interessierten die mich auch nicht so.

Anyway, weiter zu den Buch-Artikeln, meine persönlichen Favoriten jeder phantastisch!-Ausgabe. Nicht alles ist für mich interessant, aber von diesem Mix lebt das Magazin ja. Der Artikel von Jan Niklas Meier über Lovecrafts "Mountains of Madness" war nett, bot mir aber nix Neues, mein Blog heisst ja nicht umsonst "SF-Dinosaurier". Dagegen hatte Olaf Brills Artikel über Nikolai von Michalewsky, den Schöpfer von "Mark Brandis", neben mir Bekanntem auch einiges an neuen Informationen, ich bin da mal gespannt auf den zweiten Teil. Zusammen mit dem oben angesprochenen Interview war dies eine nette Mark Brandis-Section, habe ich mit Genuß gelesen. Und dann : Mein absoluter Lieblingssekundärliteraturautor. Achim Schnurrer mit Ein phantastisches Buch! schreibt über eines dieser obskuren Werke eines nicht weniger obskuren Autors. Das ist natürlich meine ganz persönliche Ansicht, Deutschlehrer und professionelle Literaturwillis sehen das sicher anders. Aber darauf kommt es gar nicht an, egal wie seltsam das Thema bei Achim Schnurrer ist, egal wie obskur der Autor, ich lese seine Artikel jedesmal wieder mit äußerstem Genuß. Und so habe ich auch den unter der Rubrik Klassiker der phantastischen Literatur erschienenen Artikel über Albert Vigoleis Thelen einfach nur genossen. Es macht einfach Spaß, Achim Schnurrer in seine entlegenen Gebiete der Phantastik nachzusteigen, jedesmal wieder eines meiner Highlights der phantastisch!-Ausgabe. Zu dem Dialog Was eigentlich übersetzt gehört...! sage ich nur soviel, daß die Befragten gar nicht wissen, was alles in den letzten Jahrzehnten allein an angloamerikanischer Literatur veröffentlicht wurde und immer noch einer deutschen Erstausgabe harrt. Von Neuauflagen klassischer SF einmal ganz abgesehen. Wie gesagt, nicht alles und jeder Artikel hat mir gefallen, die Mischung macht es eben. Und da ist phantastisch! eben einfach führend im phantastischen Bereich.

Persönliches FollowUp : In einer der früheren phantastisch!-Ausgaben wurde über The Expanse von James S. A. Corey berichtet – was auch meine Frau las. Im September habe ich die Bücher dann zum Geburtstag geschenkt bekommen und bis heute die ersten vier gelesen. Hat sich gelohnt, die Romane sind durchaus empfehlenswert, da schreibe ich demnächst noch etwas dazu. Auf die Umsetzung in der TV-Serie bin ich mal gespannt, die ersten Bilder sahen zumindestens interessant aus.

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Guido Krain : Schwarzauges Schergen



Guido Krain : Schwarzauges Schergen
O.R.I.O.N. Space Opera 05
Arunya-Verlag 2016
Originalausgabe
Hardcover, 250 Seiten, 14,90 €
Titelbild und Innenillustrationen : Shikomo
ISBN 978-3-95810-008-4
auch als eBook erhältlich (4,99 €)


Tote Götter sind so lange nette Forschungsobjekte, bis ihre lebendigen Verehrer auftauchen.

Die Eos feiert ihren ersten Kontakt mit einer primitiven Alienkultur. Endlich kann es zu jenem würdevollen Moment kommen, auf den sich jeder Raumfahrer in den letzten siebenhundert Jahren vorbereitet hat. Auch die Aliens scheinen ganz aus dem Häuschen zu sein. Worum es auf ihrer Willkommensparty geht, ist jedoch unklar.

Andererseits – was kann schon passieren, wenn der modernste Kreuzer der Raumflotte auf ein paar Wilde trifft. Nichts, oder?
… Oder?
Klappentext

Das erste, das mir als unbedarftem Leser auffiel, ist die nahtlose Fortsetzung des vorherigen Bandes von Norma Feye. Kein Bruch, im Gegenteil, obwohl natürlich (?) Lorn, Lyo, Pali, Raven und Ivy die Hauptrollen spielen, werden die anderen Protagonisten nicht gesichtslos, sondern ganz im Sinne von Norma Feye weitergeführt. Das macht die Serie zu einem einheitlichen Ganzen, was nach dem ersten Kurzgeschichten-Einführungsband für mich keinesfalls zwingend war. Eine sehr angenehme Facette.

Ebenso wie der sich ja bereits früher andeutende und hier endgültig vollzogene Wechsel der Verantwortlichkeiten in der Gruppe Lorn / Pali / Lyo / Raven / Ivy. Während es anfangs noch wie ein Harem mit einem Alpha-Männchen aussah, wird in "Schwarzauges Schergen" Lorn immer mehr in den Hintergrund gedrängt und immer stärker von "seinen" Frauen dominiert. Das macht aus einer simplen Sex-Geschichte ein interessantes Beziehungsgeflecht, ich bin einmal gespannt, wie dies weitergeführt wird.

Nicht vergessen sollte man aber die eigentliche Geschichte. Dies EOS, auf dem Weg, fremde Zivilisationen zu entdecken, gelingt tatsächlich ein Erstkontakt. Der allerdings völlig danebengeht, als die Erstkontakter allesamt den Göttern geopfert werden sollen. Da müssen dann Lorn und seine Frauen als Kavallerie ran, was zu einem fiesen Cliffhanger führt. Aber nichtsdestotrotz, schön bunte SF. Weniger wie Dick oder Zelazny, mehr wie Edmond Hamilton oder Alex Raymond, laut, bunt und mit Begeisterung erzählt. Da sieht man dann gerne auch an - in meinen Augen - einigen Inkonsistenzen vorbei, das Schmökern macht einfach Spaß.

Dienstag, 6. Dezember 2016

Norma Feye : Sterbende Sonne



Norma Feye : Sterbende Sonne
O.R.I.O.N. Space Opera 04
Arunya-Verlag 2016
Originalausgabe
Hardcover, 260 Seiten, 14,90 €
Titelbild und Innenillustrationen : Shikomo
ISBN 978-3-95810-006-0
auch als eBook erhältlich (4,99 €)


Gerade glaubte die Crew der Eos dem Untergang entkommen zu sein, als schon die nächste Katastrophe hereinbricht. Doch diese Gefahr ist nicht laut und offensichtlich, sondern schleicht wie ein Schatten durch die Dunkelheit. Nur leider weiß niemand, wer oder was die Dunkelheit ist – und ob sie überhaupt existiert.
Klappentext

Nach zwei sehr gelungenen Romanen von Guido Krain jetzt einer von Norma Feye (den ich übrigens nicht signiert bekommen habe, weil sie auf dem Nordcon nicht dabei war *nörgel*). Die Story aus dem Intro-Band fand ich damals nicht so gelungen, jedoch schrieb ich : "Allerdings habe ich den Eindruck, daß sich "Papageienbande" erst so richtig entfaltet, wenn mehr von den einzelnen Handlungsträgern bekannt ist." Isso.

Der Roman fokussiert sich sehr stark auf Cody Callahan (ich komm' immer noch nicht über diesen Namen aus der Buck-Rodgers-Ära hinweg), Roger Lovington und die Cado Skye n’Gideon. Auch die anderen Besatzungsmitglieder der EOS werden viel stärker beleuchtet als in Guido Krains aus der individuellen Warte von Lorn Chambers geschilderten Romane. Mich hat das von der Ausführung her sehr an "Thieves' World" erinnert, das erste Shared World-Universum. In der Einführung von Robert Asprin, die jedem Band vorausgeht, wird ausdrücklich daruf hingewiesen, daß jede Geschichte subjektiv ist, des einen Held ist des anderen Bösewicht. Auch hier, bei "Sterbende Sonne" nutzt Norma Feye ihren Band dazu, andere Meinungen zu Lorn und seinem Harem rüberzubringen, keinesfalls so positiv wie in dem Krainsschen Doppelband. Sehr schön, hat mir als SF-Dinosaurier (und -Purist, wie ich letztens im DSFP-Forum klassifiziert wurde *grummel) sehr gut gefallen.

Ebenso wie die Exotik der Außerirdischen, die Norma Feye immer wieder in Rückblenden darstellt. Humanozentrische Aliens, excellent beschrieben. Hab' ich seit dem Cluster-Zyklus von Piers Anthony in dieser menschenähnlichen Fremdheit nicht mehr gelesen, war eine angenehme Überraschung und gelungene Abwechslung zu den Vorgängerbänden. Meiner Meinung nach sorgt dieser Unterschied in der Darstellung dafür, daß die Serie nicht langweilig wird.

Montag, 5. Dezember 2016

Guido Krain : Das Herz des Kriegers



Guido Krain : Das Herz des Kriegers
O.R.I.O.N. Space Opera 03
Arunya-Verlag 2015
Originalausgabe
Hardcover, 270 Seiten, 14,90 €
Titelbild und Innenillustrationen : Shikomo
ISBN 978-3-95810-004-6
auch als eBook erhältlich (4,99 €)


Die Erkenntnis, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann, macht das Schicksal zuweilen erfinderisch.

Auch für eine erfahrene Besatzung ist es ein Abenteuer, mit seinem Raumschiff hunderte von Lichtjahren von Zuhause entfernt festzusitzen. Richtig unerfreulich wird es erst, wenn nicht nur jeder Kontakt nach Hause unmöglich ist, sondern auch jeder Rettungsversuch nur zu einem weiteren festsitzenden Raumschiff führen würde. Der Gipfel ist jedoch erreicht, wenn die einzig mögliche Hilfe von einem Todfeind kommen könnte, der Menschen als Haustiere hält und gegen den man wenige Tage zuvor noch um sein Leben kämpfen musste.

Für einen alten Krieger wird die Reise jedoch zu mehr als nur einem Abenteuer. Für ihn wird sie zu einer Irrfahrt in die Tiefen der eigenen Seele.
Klappentext

"Yep. irgendwann in den 80ern." Das war Guido Krains Antwort auf meine Frage, ob er in seiner Jugend Alfred Elton van Vogt und Philip José Farmer gelesen hatte. Das merkt man diesem Roman deutlich an. Und klassische Pulp-Titel dürfte er auch zur Genüge bewundert haben :
Raven hatte ein Oberteil an, dass man eher als Reklame bezeichnen konnte. Ihr Busen war hinter zwei reich verzierten gelborangen 'Muscheln' verborgen, aus denen lange goldene 'Zweige' wuchsen, die mit filigranen Ausläufern ihren Oberkörper schmückten. Waren die Dinger aufgeklebt? Pali war nicht einmal sicher, ob sie ein wenig durchsichtig waren oder nicht. Es war sehr hübsch, aber auch sehr unanständig. Das gleich galt für die Bekleidung - wenn man das so nennen konnte - von Ravens Unterleib. Sie trug einen langen, reichverzierten Lendenschurz, der nur an den intimsten Stellen undurchsichtig war. Um die schlanken Unterschenkel wanden sich elegante goldene Schlangen.
Für männliche Fans klassischer SF also ein unbedingtes Muß, dieser Roman. Denn der Harem, den Lorn sich da anlacht, hat durchaus etwas. Mir kam er nicht wirklich chauvinistisch vor, allerdings habe ich im Netz keine Rezension einer Frau gefunden, die dieses Thema beleuchtet. Am besten zusammengefasst hat das Ralf Steinberg in seinem privatem Blog : "Das Herz des Kriegers ist tatsächlich sehr extrem. Trotz aller ironischen Brechung und der bewussten Wahl, die Handlung größtenteils aus der Sicht des Machos zu erzählen, bleibt das ungute Gefühl in mir zurück, mich hier über die falschen Dinge zu amüsieren. Denn Spaß macht das schon. Auf eine unzivilisierte, böse, schmutzige Art. Doch das ist alles nur zur Unterhaltung gedacht. Ein kleiner SF-Quicky für zwischendurch."

Aber der Roman reduziert sich nicht auf puren Sex, Guido Krain gelingt es ebenso wie früher Farmer, diesen als wichtigen Bestandteil der Geschichte, jedoch nicht als alleiniges Plotelement darzustellen. Und so sind im "Herzen des Kriegers" die amüsanten Diskussionen zwischen Lorn und seiner KI ebenso enthalten wie der Sense of Wonder, der schon den Auftakt der Serie bildete. Die Entdeckung der Thauleen und ihrer gänzlich anders gearteten Gesellschaftsstruktur fand ich faszinierend. Ralf Steinberg schreibt dazu : "Dabei kreiert Krain eine Alien-Welt, die stark an das frühe Arkon der Perry Rhodan Serie erinnert. Ein uraltes Imperium, technologisch weit überlegen, jedoch am Rande der dekadenten Devolution. Feudale Machtspiele inklusive." Derartige Zivilisationen kenne ich auch aus früheren Geschichten als PR, bemerkenswert ist hier, daß es Guido Krain gelingt, gleichzeitig die absolute Andersartigkeit und die faszinierende Erotik der Thauleen darzustellen. Gerade dieser Sense of Wonder hat mich stark an die gute alte Science Fantasy eines A. E. van Vogt erinnert, schön, daß jetzt jemand diesen Aspekt der SF wieder aufnimmt.

Insgesamt hat mir der Roman ausnehmend gut gefallen. Irritierend fand ich die Haremsgeschichte, da musste ich erst die nächsten Romane abwarten, um zu sehen, ob mir das so wirklich gefällt. [Ja, tut es.] Aber auf jeden Fall ein herrliches Raumfahrergarn, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Martin Kay : Ära der Helden



Martin Kay : Ära der Helden
Die Beschützer 01
Atlantis 2016
Originalausgabe
Hardcover, ca. 240 Seiten, 14,90 €
auch als Paperback und eBook erhältlich
Titelbild: Allan J. Stark


Deutschland braucht Superhelden!

Zumindest, wenn es nach der Ansicht Konrad Berghoffs geht. Der Inhaber zweier Biotech-Firmen erforscht seit Jahren die Möglichkeiten übernatürlicher Fähigkeiten beim Menschen. Als die selbst ernannte Rächerin Sin Claire über die Dächer Frankfurts fliegt und Raubüberfälle ebenso vereitelt, wie sie Menschen in Not rettet, wittert der Industrielle eine echte Chance, seinen Traum eines Superheldenteams umzusetzen. Er beauftragt den Ermittler Kevin Burscheid, Sin Claire und weitere Begabte für seine Sache zu gewinnen. Doch die vermeintlichen Helden fügen sich nur widerwillig in ihre Rollen. Erst als ein Schurke mit unglaublichen Kräften Frankfurt unsicher macht und Menschenleben in Gefahr sind, kommt es zum Team-up.

Die Beschützer sind da!
Klappentext

Dieser Einstieg in die neue Superhelden-Serie gefiel mir ausnehmend gut. Und beim Schreiben dieser Zeilen hatte ich echte Schwierigkeiten, die einzelnen Punkte, an denen ich das für mich festmachte, zu identifizieren. Denn der Plot ist Standard, die Schreibe von Martin Kay zwar ausnehmend gelungen, aber das kann's nicht sein. Vielleicht die Analogie zu den Wild Cards, die Thomas Harbach beschreibt ? Nee, ich glaube, das war es auch nicht.

Aber ein anderer Punkt, den Thomas Harbach als eher kritisch sieht, hat mir ausnehmend gut gefallen : Der Schauplatz. "Es ist eben ein Unterschied, ob die Heldin von den imposanten Hochhäusern in New York abfliegt oder Spiderman sich zwischen den endlosen Schluchten der Wolkenkratzer entlang schwingt als wenn das Parkplatz eines REWEs der Ausgangspunkt der Vigilanten ist." Ja, eben, und genau dieses Lokalkolorit hat für mich den Roman als auch die Personen viel authentischer wirken lassen. Sin Claire, Vigilantin, Mutter und Floristin, kam viel besser rüber als die Reporter/Superhelden aus den Staaten. Ebenso empfand ich die Probleme, die die Superheldentruppe mit ihren Kräften und ihren Aktionen hat, ansprechender als die amerikanischen Varianten.

Und das Wichtigste ist meiner Meinung nach die unprätentiöse und nicht-propagandistische Haltung des Autors. In diesen Monaten fühlen sich ja diverse Autoren genötigt, moralisch einwandfreie PC-Statements in ihre Werke zu integrieren. [Dazu komme ich noch beim Kommentar zum aktuellen EXODUS.] Martin Kay macht das nicht, sondern beschreibt die deutsche Gesellschaft des Jahres 2016 wie sie eben ist. Und da kommen natürlich auch ausländische Mitbürger vor, ganz selbstverständlich wird dies dargestellt, ohne Überhöhung, ohne mit dem literarischen Roten Pfeil explizit noch einmal draufzuzeigen. Und diese Selbstverständlichkeit ist ein besserer, angenehmerer und unterstützenswerterer Antirassismus als diverse Lippenbekenntnisse, die jetzt teilweise in die Romane hineingeschrieben werden. Diesen Aspekt der Superhelden-Geschichte fand ich ganz besonders gelungen, das hat mich echt beeindruckt.

Das heisst jetzt nun nicht, daß die Superhelden hier mehr als bunte Unterhaltung sind, aber für meinen Geschmack sehr gut gemachte Unterhaltung. Und nach Teufelsgold und (wahrscheinlich) Omni ist "Ära der Helden" für mich der dritte Roman, den ich mir für meine DSFP-Nominierungen gemerkt habe.

Mittwoch, 30. November 2016

Matthias Falke : Der Terraformer



Matthias Falke : Der Terraformer
Atlantis 2015
Originalausgabe
Hardcover, ca. 300 Seiten, 14,90 €
auch als Paperback und eBook erhältlich.
Titelbild : Timo Kümmel


Der Terraformer Anders McCoy lebt in einer Station auf einem menschenleeren Planeten, um dessen Umwandlung in eine bewohnbare Welt zu betreiben. Er glaubt, allein auf dem Planeten zu sein, der in den Sternenkarten als leblos und unbesiedelt gekennzeichnet ist.

Eines Tages taucht jedoch ein Mann auf, der sich wortkarg vorstellt und angibt, er sei hier abgesetzt worden. Er bietet McCoy seine Dienste an und erlangt sein Vertrauen.
Mit der Zeit kommt seine unfassbare Geschichte heraus.

Doch während McCoy noch überlegt, ob er den Erzählungen des Fremden glauben soll, werden sie beide von dessen düsterer Vergangenheit eingeholt. Mit dem Frieden und der Einsamkeit ist es endgültig vorbei. Und es beginnt ein atemberaubendes Abenteuer, das sich der Terraformer in seinen kühnsten Träumen nie hätte vorstellen können …
Klappentext

Den Roman hatte ich damals schon im Erscheinungsjahr gelesen, ich dachte aber, vor der Lektüre von "Terraformer 2" sollte ich mir den nochmal ins Gedächtnis rufen.

Aber auch mein zweiter Eindruck ist nur sehr eingeschränkt positiv. Das Nonplusultra dieses Romans ist zweifelsohne die Analogie zur Kultur von Iain M. Banks, die Anders McCoy darstellt. Das ist nicht nur gut gelungen, sondern auch genial erzählt und mit vielen witzigen Gags, Gimmicks und Gadgets angereichert.

Dagegen ist der Rest, insbesondere das Erzwelten-System, seine Bewohner und seine Sitten sehr suboptimal dargestellt, so als hätte Matthias Falke da nicht den richtigen Zugang zu gefunden. Es gibt viele Inkonsistenzen und meiner Meinung nach auch nicht vollständig zuende gedachten Traditionen der Erzweltler. Auch die "Barbaren auf Raumschiffen"-Szenarios sind für meinen Geschmack nicht schlüssig. Was ganz sicher daran liegt, daß ich hier im Hinterkopf Vergleiche zur Asimovschen Foundation-Trilogie ziehe, zu Andrew J. Offutts "My Lord Barbarian" und – last but not least – zu Robert A. Heinleins "Citizen of the Galaxy". Insbesondere die Erinnerung an den Heinlein-Roman, der vielleicht weniger etwas mit "Barbaren im Weltraum", sondern mehr mit "Konzeption, Entwicklung und Interaktion mit Traditionen eines nicht mehr an die Erde gebundenen Volkes" zu tun hat, juckte mich die ganze Zeit während der Lektüre des "Terraformer". Falke gelingt es im Gegensatz zu Heinlein nämlich nicht, die Andersartigkeit der Erzweltler wirklich rüberzubringen, auch die moralische Überlegenheit der Falkeschen Kultur wird nur in Ansätzen deutlich. Das war schon blöd, das hätte ich gerne besser ausgeführt gelesen.

Aber nach dem "Terraformer" ist vor dem "Terraformer", nächste Woche nehme ich mir mal Band 2 vor. Mal sehen, ob ich den besser finden werde...